Subjektive Kurzmeinung (Marius) zu The Lighthouse

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Ich habe mich schon lange auf The Lighthouse gefreut. Seit Good Time bin ich jedes Mal gespannt auf Robert Pattinsons Performances und Willem Dafoe ist so oder so ĂŒber jeden Zweifel erhaben. Diese beiden Schauspieler dĂŒrfen sich jetzt also in einem Kammerspiel die Seele aus dem Leib spielen. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass die Schauspieler vom Dreh so geschafft waren, dass sie so gut wie nicht miteinander gesprochen haben. Ich war sehr gespannt.

Der Film ist eine Wucht. Als ich das Kino verließ, wusste ich, dass mich The Lighthouse noch Tage beschĂ€ftigen wird. Es passiert mir nicht oft, dass ich von einem Film trĂ€ume. FĂŒr mich ist das ein gutes Zeichen. Es gibt aber natĂŒrlich auch die andere Seite – meiner Freundin ging es nicht nur schlecht nach dem Film, ihr war speiĂŒbel.

Ein Film, der solche Spuren hinterlÀsst, ist schwierig zu bewerten. Ganz objektiv muss man auf jeden Fall die Leistung des Regisseurs, Robert Eggers, anerkennen. Was er an Wahnsinn, GenialitÀt und ekelhaften Momenten aus Pattinson und vor allem Dafoe herausholt, ist schlicht und ergreifend grandios.

Rein optisch macht der Film einiges her. Von der ersten bis zur letzten Einstellung ist nichts umsonst. Sobald die beiden LeuchtturmwĂ€rter stumm in die Kamera blicken, ist klar: Hier taucht man tief ein in die Seelen dieser Charaktere. Die Schwarz-Weiß-Bilder und das quadratische Format tun ihr ĂŒbriges. Die AtmosphĂ€re ist greifbar, sie zieht einen in den Bann – und dann mit in einen Abgrund.

In diesem Abgrund lauern Alkohol, Seemansgarn und PerversitĂ€ten. Die Geschichte des Films ist kurz erklĂ€rt: 1890, zwei LeuchtturmwĂ€rter, schlechtes Wetter und eine Ablösung, die nicht kommt. Die Geschichte ist sekundĂ€r – der Film funktioniert ĂŒber Zeichen, ĂŒber Mythen, ĂŒber Legenden. Der Film ist eine einzige, lange Anspielung auf griechische Mythologie.

Die Bildsprache macht das deutlich. Es dauert, bis im Film tatsĂ€chlich Dialog zu hören ist. Und wenn ich ehrlich bin, hĂ€tte ich ohne Untertitel auch nichts verstanden. Das ist aber okay – Willem Dafoes Seemannssprache zuzuhören, macht auch ohne VerstĂ€ndnis Spaß.

Der Film ist nicht leicht und ich wĂŒrde nicht empfehlen, sich danach noch etwas vorzunehmen. Aber der Film ist definitiv sehenswert. Es wird geflucht, gelacht und geweint und es wird gefurzt, gepisst und gekotzt. Alle menschlichen Emotionen werden abgedeckt. Schauspielerisch fĂŒr mich einer der besten Filme des Jahres. Insgesamt eine Tour de Force, die absolut beeindruckt.

9/10

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