Sophias Düstere Kinderfilme: Schreie der Verlorenen (1980)


Schreie der Verlorenen

Übersicht
Kinostart (DE):
07.10.1981
Dauer:
84 Minuten
Genre:
Fantasy, Horror
Regie:
John Hough
Studio:
Disney
Wertung
8 / 10

“Wie bitte? Das ist von Disney?”, dachte ich mir, nachdem ich „Schreie der Verlorenen“ (engl. „The Watcher in the Woods“) am Sonntag zum ersten Mal gesehen habe. Auf Empfehlung meines Filmzeugs-Kollegen Bernhard habe ich mich mit dieser Perle auseinandergesetzt und das war es wirklich wert. Der Film stammt aus dem Jahr 1980 und war einer der ersten Versuche des House of Mouse auch junge Erwachsene anzusprechen. Und das mit einem skurrilen Mix aus Grusel, Mystery, Geistern und einem kleinen Schwenk ins All. Aber fangen wir mit der Handlung an.

Die Familie Curtis zieht in ein altes Anwesen im Wald, um es gemeinsam mit der Vermieterin Mrs. Aylwood zu bewohnen. Schon am Einzugstag spielt sich Merkwürdiges ab und nach und nach kommen die Schwestern Jan und Ellie einem Geheimnis auf die Spur. Ich will gar nicht zu viel verraten, denn ich fand die Geschichte sehr spannend und möchte nichts vorweg nehmen. Es sei nur so viel gesagt: der dunkle Wald und eine verfallene Kapelle spielen eine Rolle.

Okay, der Film stammt aus einem Jahrzehnt, in dem es mit visuellen Effekten noch nicht weit her war und die junge Hauptdarstellerin ist vielleicht nicht gerade eine Kandidatin für den Oscar. Aber die Kameraarbeit ist toll und die Story lässt einen nicht los. Man will unbedingt wissen, was da eigentlich los ist. Und der Stil ist so Disney untypisch, dass man das gesehen haben muss.

Woran liegt das? Anders als man es von einem klassischen Disneyfilm erwarten würde, spielt „Schreie der Verlorenen“ mit vielen gebräuchlichen Elementen des Horrorfilms. Geister schauen aus Spiegeln, Totgeglaubte erscheinen in Särgen, Verfolger beobachten die Protagonisten aus dem Schutz des Waldes und die kleine Schwester wird kurzerhand zum paranormalen Sprechrohr. Als der Film das erste Mal im November 1980 in die Kinos kam, wurde ihm eine Texttafel vorangestellt. Auf dieser wurden Eltern darauf hingewiesen, dass dieser Film kein Märchen sei und sie ihn lieber zuerst sehen sollten, bevor sie es ihren Kindern erlaubten.

„Schreie der Verlorenen“ hat außerdem eine absolut faszinierende Veröffentlichungsgeschichte. Das erste Mal wurde er, wie gesagt, 1980 in den USA veröffentlicht. Allerdings lief er nur für eine Woche und wurde nach zahlreichen schlechten Kritiken wieder aus den Kinos genommen. Gerade das Ende des Films war damals für die Zuschauer und Journalisten zu gruselig und zu unzusammenhängend. Disney versprach Besserung und drehte im folgenden Jahr viele Szenen und das Ende neu. Im Oktober 1981 kam die zweite, entschärfte Version in die Kinos. Und diese ist es auch, die auf den meisten VHS und DVD Veröffentlichungen zu sehen ist. Erst 2002 kam eine Deluxe Version des Films heraus, die auch das alte Ende zeigte.

Ich hatte Glück und habe das alternative, nicht offizielle Ende im Internet gefunden. Und das ist wirklich seltsam und sehr zerstückelt. Nicht nur wird der „Watcher“ visuell als riesenhafte Alien-Fledermaus-Skelett-Fliege dargestellt (siehe Beitragsbild), sondern er entführt Jan auch noch in eine andere Dimension. Doch man sieht nur, wie das Monster weg fliegt. Dann gibt es eine kurze Verwirrung und schwupps ist Jan wieder da, ganz ohne Erklärung. Von der anderen Dimension sieht man nichts. Grund dafür war die schlechte Qualität der Aufnahmen. Die visuellen Effekte dieser Szenen sollen angeblich so schlecht gewesen sein, dass sich das Filmteam entschlossen hat, sie aus dem Film zu streichen. Wo diese Szenen zu finden sind, ist nicht bekannt. Ich würde nur zu gerne einmal in den Disney Archiven Mäuschen spielen, um dieses Material zu finden.

2017 drehte Schauspielerin Melissa Joan Hart ein Remake des Originals für den TV-Sender Lifetime mit der begnadeten Angelica Huston in der Rolle der Mrs. Aylwood. Ich habe diese Version zwar noch nicht gesehen, aber es würde mich sehr interessieren, wie sie mit der Story umgegangen ist und ob sie eventuell das allererste Ende mit eingearbeitet hat. Während ich mich nun durch das World Wide Web klicke, um Anhaltspunkte zu finden, würde ich euch schon einmal die 80er Jahre Version empfehlen. Absolut cool und super trashy. Perfekt für einen verregneten Nachmittag.



1 Kommentar

  1. Bernhard am

    Hab jetzt das Remake gesehen, und sage: Finger weg. Es ist wirklich billig produziert, und die Schauspieler spielen sehr schlecht. Sie haben die Geschichte verändert, so dass es jetzt kein Alien mehr gibt, sondern einen “rachsüchtigen” Geist.

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