Sophias Düstere Kinderfilme: Pinocchio (1940)


Pinocchio

Übersicht
Kinostart (DE):
23.02.1940
Dauer:
83 Minuten
Genre:
Märchen, Zeichentrick
Regie:
Ben Sharpsteen
Studio:
Disney
Wertung
5 / 10

Bisher war ich einmal in meinem Leben in Disneyland, Paris. Damals war ich drei Jahre alt und ich muss zugeben, dass ich mich kaum an etwas erinnern kann. Das einzige, was ich noch weiß, sind zwei Dinge. Erstens bin ich so sehr auf „It’s a Tiny World“ abgefahren, dass meine Eltern dieses Fahrgeschäft mindestens zehnmal mit mir gefahren sind (wer mit musste, haben sie durch eine Runde Schere, Stein, Papier geregelt). Zweitens: Die Pinocchio-Höllenbahn! Gut, so heißt die Bahn nicht wirklich. Was ich allerdings dort erlebt habe, hat sich unwiderruflich in mein Gehirn eingebrannt.

Als meine Eltern und ich in einem kleinen Waggon auf ruckeligen Schienen durch die Geschichte von Pinocchio gondelten, ging mit einem Mal das Licht aus, es wurde stockdunkel und das kleine Gefährt kam quietschend zum Stehen. Der Stromausfall hatte die Attraktion lahmgelegt. Damit aber nicht genug. Denn genau dort, wo wir gezwungenermaßen angehalten hatten, wurde eben die Episode mit dem bösen Puppenspieler Stromboli erzählt. Um seine Rolle als Bösewicht zu untermalen, war ein Roboter im Stromboli-Look vor ein paar Sekunden aus einem Fass hervorgesprungen und starrte die anderen Fahrgäste und mich aus leblosen Augen und mit einem fiesen Grinsen an. Natürlich fing ich sofort an wie eine Heulboje zu flennen. Bis wir aus der Bahn eskortiert wurden, hatte ich mich noch nicht beruhigt.

Jaja, so war das damals. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass ich mich mit dem Film „Pinocchio“ nie so ganz anfreunden konnte. Die Geschichte und auch die Disneyversion sind aber wirklich ziemlich düster. Das können Jiminy Grille und die supersüße Katze auch nicht immer retten. Wer die Handlung nicht kennt, sei hier kurz eingeführt: Es geht um den alten Schreiner Geppetto, der sich einen Sohn wünscht. Eines nachts verzaubert die gute Fee eine von Geppettos Holzpüppchen und erweckt diese zum Leben. Pinocchio ist geboren und hat fortan nur noch ein Ziel: Ein richtiger Junge zu werden. Dafür muss er aber brav und artig sein, was sich im Verlauf des Films aber immer wieder als sehr schwer herausstellt.

Wie der mechanische Stromboli aus meiner Erinnerung, ist auch die Filmvariante ein ziemlich übler Schurke. Er ist aggressiv, hat eine ziemlich kurze Leitung und flippt schnell aus. Sei Design ist dazu passend recht grobschlächtig gehalten und er wirkt im Gegensatz zu seiner Umgebung wie ein Riese. Außerdem ist er habgierig und verschlagen. Als Pinocchio in seiner Show tanzt und ihm viel Geld einbringt, sieht Stromboli seine Chance auf Ruhm und Reichtum. Der kleine Junge aus Holz hat seinen Auftritt für eine einmalige Sache gehalten und möchte nach Hause zu Geppetto gehen. Stromboli aber sperrt ihn in einen Käfig und droht ihm mit einer scharfen Axt, sollte er versuchen zu fliehen. Verängstigt bleibt Pinocchio in seinem Gefängnis zurück, wird aber bald – was für ein Glück – von Jiminy befreit.

„Pleasure Island“ fällt für mich ebenfalls in die Düsternis Sparte. Zwar befindet sich hier ein riesiger Karneval, auf dem die vielen kleinen Jungen Spaß haben, doch schwebt über dem Ganzen immer ein leichter Hauch von Unruhe, oder besser: Schlimme Vorahnung. Und die bewahrheitet sich auch bald, denn die Jungen werden nur dorthin gebracht, um in Esel verwandelt und verkauft zu werden. Besonders ist mir die Szene in Erinnerung geblieben, in der sich Pinocchios fieser Rotschopf Kumpel (Wie-hieß-er-noch-gleich) in einen Esel transformiert. Man sieht nicht die ganze Verwandlung, sondern kann sie hauptsächlich über einen Schatten an der Wand verfolgen. Der Junge deformiert sich allmählich und nimmt langsam Tiergestalt an. Da die Metamorphose nicht direkt gezeigt wird, kann die Phantasie der Zuschauers einiges an Arbeit übernehmen. Danach flippt Nun-Esel-Rotschopf komplett aus, zerstört den ganzen Raum und gibt dabei ohrenbetäubende Schreie von sich. Pinocchio bekommt es zurecht mit der Angst zu tun und versucht zu fliehen.

„Pinocchio“ ist und bleibt ein guter Film, daran ist nicht zu rütteln. Denn das Disney Studio hat sich auch hier nicht lumpen lassen und alles an Animationstechnik einfließen lassen, was möglich war. Für mich allerdings ist er schwer vorbelastet und ich werde wohl immer ein mulmiges Gefühl mit diesen speziellen Disney Figuren verbinden.



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