Sophias Düstere Kinderfilme: ParaNorman (2012)


ParaNorman

Übersicht
Kinostart (DE):
23.08.2012
Dauer:
92 Minuten
Genre:
Horror, Komödie, Stop-Motion
Regie:
Chris Butler / Sam Fell
Wertung
10 / 10

Habt ihr „ParaNorman“ gesehen? Denn ganz ehrlich. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, solltet ihr das schleunigst nachholen. Er hält nicht nur die perfekte Balance zwischen witzigen Szenen und ernster Story, sondern macht auch mit seiner Stop-Motion-Animations äußerlich einiges her. Aber von vorne.

Die Handlung ganz kurz abgerissen: Der elfjährige Norman ist ein Außenseiter in seiner Stadt, denn er kann Geister sehen. Da er auch noch mit ihnen in der Öffentlichkeit spricht, macht das sein Leben nicht gerade leichter. Er wird von den Bewohnern seines Heimatortes gehänselt, ausgelacht und gequält und erbt dann auch noch zu allem Überfluss von seinem abgeranzten Onkel die ehrenvolle Aufgabe, sein Zuhause vor dem Fluch einer Hexe zu schützen. Probleme voraus! Zu seinem Glück wird er bei seinem Abenteuer von einer mehr oder minder hilfreichen Truppe unterstützt, mit der er es allerdings nicht immer leicht hat.

Die meisten der bisher vorgestellten Filmen hatten eine Altersfreigabe von sechs Jahren. „ParaNorman“ ist ab zwölf Jahren freigegeben und das auch völlig zurecht. Das liegt wohl vor allem daran, dass die ästhetische Gestaltung des Films recht düster ausfällt. Dabei sind besonders die Szenen zu nennen, in denen Norman immer wieder Visionen der Vergangenheit bekommt. Diese kündigen sich durch das entweichen der Farbe aus Normans Umgebung an, die dann wie eine Seite Papier im Feuer verbrennt, was ihn in eine bodenlose Schwärze fallen lässt nur um dann von verzerrten Stimmen heimgesucht zu werden oder als Angeklagter in einem Gerichtssaal zu stehen.

Auch das Artwork der Figuren ist gewöhnungsbedürftig, da sie oftmals wie Karikaturen von Menschen wirken. Als ich den Film einer meiner Freundinnen an Halloween nahe gebracht habe, sagte sie nur, als sie Normans Mutter sah: „Wie sieht die denn aus? Ich kann gar nicht hinsehen.“ Nicht, dass die Menschen aus „ParaNorman“ besonders furchterregend aussehen, aber durch die teilweise seltsame, verzerrte Optik bekommen auch sie einen unwirklichen, fast übernatürlichen Touch. Das Treffen mit der Hexe am Ende des Films ist animationstechnisch auch gar nicht so ohne. Die Art und Weise ihrer Darstellung ist unglaublich gut und im gleichen Maße gruselig. Ich muss zugeben, dass ich, nachdem ich den Film das erste Mal gesehen habe, abends erst mal alle Lichter habe brennen lassen. Nur für den Fall. Aber macht euch selbst ein Bild.

Was diesen Film aber so besonders und auch besonders düster für einen Kinderfilm macht, ist Normans sozialer Kampf. Durch seine Fähigkeiten fällt es ihm schwer, Freunde zu finden. Immer wieder wird er schikaniert oder für verrückt erklärt. Er hat das Gefühl nirgends richtig reinzupassen. Sogar sein Vater ist abweisend ihm gegenüber, da er mit dem Verhalten seines Sohnes nicht zurecht kommt. Norman ist ein Junge, der durch die tägliche Konfrontation mit dem Tod schon sehr früh erwachsen geworden ist und seiner Umwelt einiges voraus hat, was bei dieser wiederum auf Unverständnis stößt. Immer diese Zombiefilme! Warum kann er nicht einfach Baseball spielen? Normans Gefühl der Verlorenheit kommt in „ParaNorman“ sehr gut rüber und macht klar, dass nicht alle Kinder immer nur glücklich sind, sondern auch mit Problemen in ihrem Umfeld zu kämpfen haben.

„ParaNorman“ ist meiner Meinung nach ein sehr guter, dafür aber leider auch sehr unbekannter Film. Er ist technisch sehr ausgefeilt und hat eine intelligente Storyline. Vor allem aber bringt er uns bei, dass man aus Angst niemals kopflos handeln sollte und immer bemüht sein sollte, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Von meiner Seite aus eine absolute Empfehlung. Vor allem für Fans von „Coraline“ und „The Nightmare Before Christmas“.

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