Sophias Düstere Kinderfilme: Monster House (2006)


Monster House

Übersicht
Kinostart (DE):
24.08.2006
Dauer:
91 Minuten
Genre:
Animationsfilm, Horror, Komödie
Regie:
Gil Kenan
Wertung
9 / 10

Zugegeben bin ich persönlich ein Filmfan mit einer sehr niedrigen Schmerzgrenze, was Horrorstreifen betrifft. Mit gruseligen Filmen kann man mich jagen. Legt jemand eine DVD mit Machwerken wie „The Ring“ ein, schreie ich laut auf und springe unter das Sofa. Da ich aber doch nicht ganz frei von der Sucht nach Nervenkitzel bin, sind jetzt Kinderhorrorfilme mein Ding. Zumindest nenne ich sie so. Schön bunt animiert, mit Puppen gespielt oder mit Kinderdarstellern bestückt ist der Gruselfaktor hier zwar nicht sehr hoch, aber immerhin so, dass es spannend ist und ohne mir schlaflose Nächte zu bescheren. Doch manchmal lassen mich diese Filme ernsthaft an dem Einschätzungsvermögen der Macher zweifeln. Denn hätte ich den einen oder anderen dieser Filme im zarten Alter von sechs Jahren gesehen, wäre mein Verhältnis zu Horrorfilmen vermutlich desaströs. Einige dieser Filme sind nämlich richtig harter Tobak. „Monster House“ von Gil Kenan gehört zu diesen Filmen.

Mal ganz ehrlich: Ein lebendig gewordenes, runtergekommenes Alptraumhaus frisst Kinder, Erwachsene und Hunde mit Haut und Haaren? Das klingt für mich nicht nach einem Film für einen gemütlichen Familienabend. Doch formell ist er das, da er immerhin eine Altersfreigabe von sechs Jahren erhalten hat. Zwei Dinge in „Monster House“ sind dafür verantwortlich, dass sie auf meine Liste der düsteren Kinderfilme kommen.

Ersteres ist die Animation des Monsterhauses. Am Anfang noch nur eine etwas schiefe Bruchbude, die eine Renovierung bitter nötig hätte, wird das Haus im Laufe des Films zusehends vermenschlicht. Die Rollos klappern wie Augenlider, der Teppich im Eingangsbereich streckt sich wie eine Zunge nach seinen Opfern aus, es besitzt ein (aus was auch immer bestehendes) Gaumenzäpfchen und der Keller ist ein alles verdauender Magen. Als ob das nicht schon bizarr genug wäre, reißt sich das Haus in der Verfolgungsszene am Schluss aus der Verankerung seines Fundaments, lässt sich Bretterbeine wachsen und verfolgt die Protagonisten laut kreischend durch die Nachbarschaft. Es gelingt den Helden das Haus kurzzeitig außer Gefecht zu setzen und es dabei erheblich zu beschädigen. Doch das Schreckenshaus setzt sich einfach wieder zusammen und sieht jetzt noch grässlicher aus als vorher. Es ist ein rundes Gebilde, von dem die zerbrochenen Bretter wie riesige Stacheln abstehen und sein Maul ist ein klaffender Abgrund, bereit alles zu verschlingen. Dazu noch die schleppende, stolpernde und doch schnelle Fortbewegungsart. Will ich jetzt noch ohne Licht schlafen? Nein, danke! Wie muss das erst für einen sechsjährigen Zuschauer sein?

Die zweite Sache ist die creepy Hintergrundstory des wütenden Monsterhauses. Wer den Film noch sehen will: Spoilers ahead! Der Besitzer und Erbauer des Hauses Mr. Nebbercracker verliebt sich auf einem Jahrmarkt in die dickste Frau der Welt: Constance the Giantess. Leider wird sie dort wie ein wildes Tier in einem Käfig gehalten und von den Zuschauern verhöhnt und misshandelt. Der junge Nebbercracker befreit sie, kauft mit ihr ein Grundstück und baut für sie das spätere Monsterhaus. Noch während sie an dem Haus arbeiten, kommen Nachbarskinder auf die Baustelle und beginnen Constance zu ärgern und Steine nach ihr zu werfen. An die Zeit auf dem Jahrmarkt erinnert, wird Constance wütend und will auf die Kinder losgehen. Nebbercracker versucht sie aufzuhalten, wobei sie in die Baugrube stürzt und von einem Schwall Zement lebendig begraben wird. Hallo? Lebendig begraben! Daher auch die Wut des Hauses gerade auf freche Kinder. Ihr Geist hat dem Haus sein wütendes Leben eingehaucht und nimmt nun Rache an Allen, die sich ihm auch nur bis zum Rasen nähern. Nicht nur, dass bei dieser Hintergrundgeschichte jemand lebendig erstickt; auch Constance’ schlimmes Trauma muss erst mal verdaut werden. Ich glaube, dass Kinder sehr wohl die traurige Stimmung dieser Rückblende nachvollziehen können, aber vielleicht ist gerade die Tragik des Schicksals von Constance nicht ganz greifbar und etwas schwerer zu verarbeiten.

Mir gefällt „Monster House“. Es ist ein gelungener Film, im richtigen Maße (nach Sophia-Grusel-Messwert-Tabelle) gruselig und hat eine einnehmende Story. Natürlich nichts für hartgesottene Horrorprofis. Die würden gähnen. Vielleicht wäre er etwas für ihre Kinder. Da können sie schon mal in die Horrorstapfen ihrer Eltern treten. Für zartbesaitete New-Age Disney-Kinder ist „Monster House“ aber wohl nicht zu empfehlen.

1 Kommentar

  1. Dagmar Fischer am

    Hallo, du wunderbar erzählende KinderKinoGrusel- Sophia, das “Monster House” werde ich mir nach deiner sehr bildhaften Schilderung unbedingt ansehen. Was ich aber auch glaube, ist, dass du dir selbst solche Geschichten ausdenken und sie sehr leb- und leibhaftig erzählen kannst…
    Mach mal;)
    Gruselgrüße von
    Dagmar Fischer

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