Sophias Düstere Kinderfilme: James und der Riesenpfirsich (1996)


James und der Riesenpfirsich

Übersicht
Kinostart (DE):
25.07.1996
Dauer:
79 Minuten
Genre:
Fantasy, Stop-Motion
Regie:
Henry Selick
Wertung
5 / 10

Heute geht es um einen Film, den ich bis vor Kurzem selbst nicht kannte. Denn als ich auf der Suche nach Filmen war, die in diese Artikelreihe passen könnten, gab mir eine Freundin den Tipp. „James und der Riesenpfirsich“ basiert auf dem gleichnamigen Buch des erfolgreichen Kinderbuchautors Roald Dahl. Kommt euch bekannt vor? Stimmt. Der Film „Hexen hexen“, den ich hier auch einmal vorgestellt habe, hat seine Wurzeln ebenfalls im Werk des Autors. Also habe ich mich kürzlich mit einer Tüte Chips an einem kalten Nachmittag hingesetzt und mir den Film angesehen. Produziert wurde er von Tim Burton (Juhu!) und gedreht von Henry Selick, seines Zeichens Regisseur von „The Nightmare Before Christmas“.

Zuerst wusste ich nicht so recht, was ich von dem Film halten sollte. Denn das ist eine echt abgedrehte Story. James ist ein kleiner Junge, der davon träumt, gemeinsam mit seiner Familie nach New York zu reisen. Doch gleich zu Beginn der Geschichte verliert er seine Eltern und muss zu seinen zwei fiesen Tanten ziehen, die ihn wie Cinderella für sich schuften lassen. Eines Tages begegnet James einem mysteriöser Mann, der ihm magische Krokodilszungen schenkt, aus denen James sich einen Trank brauen soll, der seine Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Aber Schicksal, oh Schicksal: James verliert die magischen Zungen und steht wieder vor dem Nichts. Doch kurz darauf spielt sich Seltsames bei ihm zu Hause ab. Zunächst wächst ein Pfirsich an einem alten Baum, der nach und nach die Größe eines Hauses annimmt. James klettert durch ein Loch in diesen Pfirsich und trifft dort menschengroße Insekten. Gemeinsam beschließen sie, James Traum zu verwirklichen und zusammen nach New York zu reisen. Der Pfirsich dient dabei als Transportmittel.

Auf der Reise erleben sie einige mehr oder weniger bedrohliche Abenteuer und James lernt als Person zu wachsen. Viele Rezensionen beschreiben den Film als bedrückend und deshalb eher ungeeignet für Kinder. So weit würde ich zwar nicht gehen, aber bedrückend sind einige Szenen in der Tat. Alleine James Situation im Haus seiner grausamen Tanten und die späteren Heimsuchungen durch die beiden alten Schachteln lassen James unglückliche Lage als unentrinnbar erscheinen. Sogar nach seiner Flucht jagen ihn die Tanten noch in seinen Träumen. Die Traumsequenz im Film ist, wie Traumsequenzen in Filmen es nun mal sind, sehr verstörend. James ist in seinem Traum eine kleine Raupe, die einen großen Pfirsich isst. Seine Tanten fahren in einem schäbigen Auto vor und beginnen ihn, Insektengift versprühend, zu verfolgen. Sie wollen ihn töten und James kann dem nur durch das Aufwachen entkommen. Träume sind Schäume, aber diese Szene zeigt auf düstere Weise die tief verwurzelte Angst des Jungen vor seinen Tanten.

Es gibt noch eine weitere Episode im Film, die ich als sehr düster bezeichnen würde. Es ist allerdings auch meiner Meinung nach die einzige wirklich spannende Szene im Film. Während eines Streits fällt einer seiner Insektenbegleiter ins Meer und James springt hinterher, um ihn zu retten. Während er taucht, entdeckt er auf dem Meeresgrund unzählige versunkene Schiffe. Auf einem Piratenschiff findet er seinen verlorenen Freund, Herr Tausendfüß, wieder. Dieser versucht gerade einem Piratenskelett einen Kompass aus der Hand zu reißen und erweckt dadurch, wie könnte es anders sein, alle Piratenskelette an Bord zum Leben. Schnell beginnt ein Kampf auf Leben und Tod, dem James und sein Freund gerade so entkommen können. Dieser Unterwasserkampf ist wirklich toll animiert und Henry Selick beweist wieder einmal, dass er der König der Stop-Motion- Technik ist. Kleine Notiz am Rande. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass der Piratenkapitän eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Jack Skellington aus „The Nightmare Before Christmas“ aufweist. Also Jack, was machst du denn Unterwasser?

„James und der Riesenpfirsich“ ist ok. Ich kann es im Moment nicht anders beschreiben. Vielleicht fehlt mir diesmal der verklärende Blick meiner Kindheit, aber der Film hat sich für mich doch sehr in die Länge gezogen. Erst nach gut einer halben Stunde kommt die Handlung in Schwung und muss dann eine Schlingerfahrt durch wenige Höhen und einigen Tiefen bewältigen. Ich kenne das Buch nicht und deshalb fehlt mir auch der Vergleich, aber in einem Interview habe ich gelesen, dass Roald Dahl dieses seiner Bücher für unverfilmbar hielt und vielleicht hatte er recht. Die Animation von „James und der Riesenpfirsich“ ist allerdings herausragend gut und verdient eine Runde Applaus. Ich gehe derweil los, um mir das Buch zu kaufen. Guten Abend.




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