Sophias Düstere Kinderfilme: Fantasia (1940)


Fantasia

Übersicht
Kinostart (DE):
13.11.1940
Dauer:
124 Minuten
Genre:
Musical, Zeichentrick
Regie:
James Algar / Wilfred Jackson
Studio:
Disney
Wertung
6 / 10

Ich habe den legendären dritten abendfüllenden Film „Fantasia“ von Disney noch nie an einem Stück gesehen. Nicht mal für diesen Artikel konnte ich das durchziehen. Das liegt wohl daran, dass ich ein Cretin bin, wenn es um klassische Musik geht. Sie ist mir meistens einfach zu schwer, zu ernst und zu wichtig, als dass ich mich auf unterhaltsame Art damit auseinandersetzen könnte. Aber bevor ich euch hier noch weitere Einblicke in meine persönliche Kulturlosigkeit gebe, komme ich lieber mal auf den Film zu sprechen.

„Fantasia“ hat an sich keine stringente Handlung. Das Philadelphia Orchestra spielt unter der Leitung von Leopold Stokowski acht Musikstücke, die von verschiedenen Disneycartoons untermalt werden. So gibt es beispielsweise eine Sequenz zum Wechsel der Jahreszeiten, die Entstehung der Erde oder einen Abschnitt über die Götter des Olymp. An sich ein, wie ich finde, sehr netter und kultureller Familienfilm. Wäre da nicht die ein oder andere ‘düstere Entgleisung’. Zwei sind da besonders zu nennen.

Der bekannteste Cartoon in „Fantasia“ ist sicherlich die Geschichte rund um Mickey Maus als Zauberlehrling. Zugegebenermaßen einer meiner absoluten Lieblinge und auch lange das Einzige, was ich von „Fantasia“ kannte. In seinem zum Kult gewordenen Outfit mit rotem Mantel und blauem Sternenhut beschwört Mickey unerlaubterweise Magie, die er bald nicht mehr kontrollieren kann. Zur düsteren Stimmung dieser Episode trägt natürlich vor allem die drückende Musik bei. Was als Spiel beginnt, wird bald bitterer Ernst. Der von Mickey verzauberte Besen füllt unaufhörlich Wasser nach und ignoriert Mickeys Befehle. Bald bleibt nur noch ein Ausweg: Mickey muss den Besen zerstören. Mit einer Axt bewaffnet und von klirrenden Beckenschlägen begleitet, zerstückelt Mickey vor einem blutroten Hintergrund den Besen, bis nur noch Splitter zurückbleiben. Ziemlich brutal, aber auch sehr gelungen.

Während man über den Düsternisfaktor beim Zauberlehrling noch streiten kann, ist das bei den letzten fünfzehn Minuten von „Fantasia“ doch ziemlich eindeutig. Zur Musik „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ von Modest Mussorgski wird hier eine Art Dämonentanz inszeniert. Ein riesenhafter geflügelter Dämon beschwört Geister, Teufel und andere gruselige Gestalten, die auf dem Berg tanzen und sich wabernd hin und her wiegen. Der große Dämon greift mit seinen Klauenhänden immer wieder in die Gruppe hinein, nimmt ein paar Monster auf und wirft sie ins Höllenfeuer. Ziemlich heftig für einen Film, der ab sechs Jahren freigegeben ist. Erst als der Tag naht und die Kirchglocken läuten, verlieren die bösen Geister ihre Macht und müssen sich zurückziehen.

Ich bin kein großer Fan von „Fantasia“, das stimmt. Als Handlungsfanatiker ist dieser Verbund von kürzeren Filmchen einfach nichts für mich. Genau wie Kurzgeschichtensammlungen. Die kann ich auch nicht ab. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass er wirklich sehr gut gemacht ist und ich verstehe auch, dass er so viele Fans hat. Zurecht gehört er in die Reihe der Disney Klassiker.



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