Sophias Düstere Kinderfilme: Die unendliche Geschichte (1984)


Die unendliche Geschichte

Übersicht
Kinostart (DE):
06.04.1984
Dauer:
97 Minuten
Genre:
Fantasy, Märchen
Regie:
Wolfgang Petersen
Wertung
7 / 10

„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende zählt für mich zu den besten Fantasy-Büchern der Welt. Es ist unglaublich vielschichtig, hat eine anspruchsvolle Story und tolle Charaktere. Schon nach der Veröffentlichung 1979 wurde der Roman sehr positiv rezipiert und erreichte innerhalb von drei Jahren eine Millionenauflage. Kein Wunder, dass ein so beliebtes Buch früher oder später verfilmt wurde.

Aber dieses Filmgroßprojekts schlingerte während seiner vierjährigen Entstehungsphase durch mehr als nur ein Schlagloch. „Die unendliche Geschichte“ verschlang nicht nur Unmengen von Geld und wurde schnell einer der teuersten deutschen Filme überhaupt. Nachdem das Drehbuch wie auch die Regisseure mehrmals ausgewechselt wurden, gefiel Michael Ende selbst das Filmmonstrum immer weniger. Er beschrieb es als dümmliches Filmspektakel und distanzierte sich bald gänzlich von dem Projekt.

Verfilmt wurde 1984 nur die erste Hälfte des Buchs. Eine stark abgeänderte Version des zweiten Buchteils kam 1990 in die Kinos. Der erste Film erzählt zwei Geschichten. Einerseits die des Jungen Bastian, der ein Buch stiehlt und es nachts auf dem Dachboden der Schule liest. Andererseits die Geschichte aus Bastians geklautem Buch, das den Kampf Phantasiens gegen das Nichts schildert.

Für mich war eine der schlimmsten Szenen sowohl im Buch, als auch im Film der Verlust von Artax. Auf seiner Reise gerät Atréju gemeinsam mit seinem Pferd Artax in die Sümpfe der Traurigkeit. Wer immer diese Sümpfe durchquert, verliert jeden Lebensmut. Während beide dagegen ankämpfen, kann Artax irgendwann nicht mehr weiter und gibt sich der Traurigkeit hin. Langsam versinkt er im Morast, während Atréju verzweifelt versucht sein geliebtes Pferd zu retten. Bitte, ich brauche ein Taschentuch.

Schlimm fand ich auch schon immer den bösen Wolf Gmork. Im Film vielleicht noch etwas mehr, als im Roman. Anfang der 80er Jahre steckte die Animations- und Spezialeffekte-Technik noch in den Kinderschuhen, weshalb viele Bewohner Phantasiens extra für den Film gebaut werden mussten. Vielen Wesen sieht man daher ihre Roboterhaftigkeit auch an, vor allem Gmork. Als er in der einstürzenden kleinen Höhle sitzt und mit Atréju spricht, rollen seine Augen, seine Schnauze verdreht sich unnatürlich nach oben und seine einzelnen Zähne scheinen sich nach außen zu wölben. Argh!

„Die unendliche Geschichte“ ist ein für seine Entstehungszeit anspruchsvoller Fantasyfilm, der Michael Endes Idee teilweise gut umsetzt. Ich kann verstehen, warum der Autor den Film nicht mochte. Spricht er doch oft mehr das Auge als das Gehirn der Zuschauer an. Mich würde tatsächlich interessieren, welche Vision Michael Ende für diesen Film gehabt hätte. Dennoch ist „Die unendliche Geschichte“ ein schöner Film, den man sich zwischendurch mal ansehen kann. Ich lese lieber das Buch.

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