Sophias Düstere Kinderfilme: Die Reise ins Labyrinth (1986)


Die Reise ins Labyrinth

Übersicht
Kinostart (DE):
11.09.1986
Dauer:
97 Minuten
Genre:
Fantasy
Regie:
Jim Henson
Wertung
8 / 10

Artikel Nummer acht und wir sind schon zum dritten Mal bei Jim Henson angelangt. Wenn das nichts zu bedeuten hat, weiß ich auch nicht weiter. Heute geht es um den Fantasyfilm Die Reise ins Labyrinth, auch besser bekannt als: Der Film, in dem David Bowie ständig hautenge Leggins trägt. Und, oh man: Ich sehe alles! Aber dazu gleich mehr.

Die Reise ins Labyrinth lässt sich von der Story her am besten mit Geschichten wie Alice im Wunderland oder Der Zauberer von Oz vergleichen. Es geht um die junge Sarah, die durch eine Reise innerhalb einer fantastischen Welt lernt, nicht mehr egoistisch zu handeln. Denn zu Beginn des Films ist die Fünfzehnjährige schrecklich eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder Toby und wünscht ihn postwendend hinfort in die Welt der Kobolde. Und das funktioniert! Prompt erscheint der Goblinkönig aka David Bowie aka Strumpfhosenmann in ihrem Zimmer und stiehlt mit seinen kleinen Gehilfen das Baby Toby. Sodann muss sich Sarah auf die Reise durch das Labyrinth zum Schloss des fiesen Königs machen.

Wie auch Jim Hensons Der Dunkle Kristall ist Die Reise ins Labyrinth ab zwölf Jahren freigegeben. Und das ist wohl vor allem mal wieder den speziellen Puppen zu verdanken, die eingesetzt werden. Schrumpelige Gesichter, riesige Augen und filzige Haare. Aus heutiger Sicht mögen die kleinen und auch großen Gestalten eher lustig wirken, aber vor rund 30 Jahren war das der aktuellste Stand der Puppentechnik, so dass die Puppen auf so manchen Zuschauer bestimmt einen erschreckend realen und auch gruseligen Eindruck gemacht haben. The Ring sei Dank sind wir heute alle abgestumpft und können Jim Hensons Puppenfilme mit einem Lachen von der Leinwand wischen.

Es ist so weit. Sprechen wir von David Bowies Outfit. Ist das nicht der Wahnsinn? Wer auch immer für dieses Monstrum von Garderobe verantwortlich ist, hat es geschafft, alles mögliche an Eightynes in ein Kostüm zu packen. Untermalt von extrem überschminkten Augen und DER Vokuhilafrisur kann man da einfach nicht wegschauen. Wo man auch nicht wegschauen kann ist Bowies bestes Stück. Geht es nur mir so oder ist das ausgepolstert? Sei es wie es sei. Die engen Leggins schaffen es, alles was da ist überdeutlich zum Vorschein zu bringen (vor allem die weiß glitzernde im Endkampf!). Ich weiß. Die Reihe heißt Sophias Düstere Kinderfilme und nicht Sophia kann nicht aufhören bei David Bowie zu spannen. Aber es war mir ein Bedürfnis das, was ins Auge springt, hier mal anzusprechen. Vergebt mir!

Was ist düster an dem Film? Eigentlich ziemlich viel. Doch ich möchte auf eine Szene eingehen, die zumindest mich sehr geprägt hat. Wie auch Der Dunkle Kristall habe ich Die Reise ins Labyrinth schon sehr früh gesehen. Ich muss so ungefähr fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als ich ihn im Fernsehen das erste Mal sah. An einer Stelle ziemlich am Ende des Films gerät Sarah auf eine Müllhalde. Hier wird sie in einen Berg aus Müll gelockt unter dem sich eine treue Nachbildung ihres Zimmers aus der realen Welt findet. Während sie sich zunächst über dieses „Daheim“ freut, wird sie von einer Müllsammlerin immer mehr mit ihren ihr wertvollen Spielsachen und Gegenständen überhäuft. Während sich die Habseligkeiten über ihr zu türmen beginnen und sie zu bedecken drohen, erinnert Sarah sich, dass dies nicht die Realität ist. Sofort beginnt das Zimmer einzustürzen und der ganze Müll aus dem Müllberg um sie herum dringt in das zuvor saubere Zimmer ein. Sarah flieht und lässt das Chaos hinter sich. Niemand räumt gerne sein Zimmer auf; schon gar nicht eine Fünfjährige. Aber nach diesem Film habe ich ständig angefangen Sachen weg- und aufzuräumen. Jaha, da steckt wohl viel Psychologie dahinter. Ich weiß nicht warum, aber damals wie heute macht mich das Gefühl der Beengtheit, die diese Szene ausstrahlt, unruhig. Geht das noch jemandem so?

War der Film in den 80ern ein Flop an den Kinokassen, ist er heute ein zeitloser Klassiker, der viele Fans um den ganzen Globus hat. Wie bei so vielen anderen als Klassiker eingeschätzten Filmen wird angeblich zurzeit an einer Fortsetzung gearbeitet. Aber dazu gibt es noch keine genauen Infos. Mir gefällt der Film insgesamt sehr gut, vielleicht sogar besser als Der Dunkle Kristall. Mag die Geschichte so vorhersehbar sein wie sie will, denn liebevoll gestaltete Charaktere wie Sir Didymus mit seinem treuen „Ross“ Ambrosius oder die doch etwas trotteligen Ritter des Goblinkönigs machen das mit Witz und Charme wieder wett. Um es mit Sir Didymus zu sagen: Dies Schauspiel scheint eine vorzügliche Wahl, werte Lords und Ladies.

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