Sophias Düstere Kinderfilme: Die Hunde sind los (1982)


Die Hunde sind los

Übersicht
Kinostart (DE):
21.10.1982
Dauer:
103 Minuten
Genre:
Drama, Zeichentrick
Regie:
Martin Rosen
Wertung
9 / 10

Warnung: Dieser Beitrag enthält Spoiler!

Schon wieder ein Kinderfilm, der keiner ist. Oder ursprünglich zumindest keiner sein sollte. Denn mit „Die Hunde sind los“ lieferte Regisseur Martin Rosen 1982 erneut einen Zeichentrickfilm für Erwachsene, wie schon einige Jahre zuvor mit „Unten am Fluss“ (engl. Watership Down). Als der Film in Deutschland in die Kinos kam, hatte er eine Altersfreigabe von sechs Jahren. Erst später wurde diese zwecks der Veröffentlichung auf VHS auf zwölf Jahre angehoben. Das ist dann auch mein Argument, um den Film in diese Artikelreihe mit aufzunehmen, denn die ursprüngliche Altersfreigabe hat es sehr jungen Kindern möglich gemacht diesen Film im Kino anzusehen. Und ich bin mir fast sicher, dass die ein oder anderen verblendeten Disney-Eltern das zugelassen haben. Süße gezeichnete Hunde? Hier nimm diese Kinokarte, mein Schatz.

Von alleine bin ich nicht auf diesen Film gestoßen. Nachdem ich meinen Beitrag über „Unten am Fluss“ veröffentlicht hatte, erzählte mir eine Freundin beim Kaffee von diesem zweiten Martin Rosen Film und, dass dieser noch um einiges düsterer sei als der Hasenfilm. Nach der Sichtung muss ich gestehen: Sie hat recht. Ich habe lange keinen so düsteren und vor allem traurigen Zeichentrickfilm gesehen. Bisher war für mich „Cap und Capper“ auf Platz eins der traurigsten Tier-Zeichentrickfilme. Jetzt belegt der nur noch den Silberrang.

„Die Hunde sind los“ erzählt die Geschichte der beiden Hunde Snitter und Wuff, die in einem Tierversuchslabor gefangen sind. Von den schrecklichen Experimenten traumatisiert, können sie eines Nachts fliehen und müssen fortan in der Wildnis überleben.

Sonst picke ich mir ja immer ein bis zwei Aspekte heraus, die in dem jeweiligen Film besonders düster sind. Das fällt mir hier nur sehr schwer, denn alles ist so düster. Sei es das grauenhafte Labor, die unmenschlichen Experimente an den Tieren, der allgegenwärtige Tod oder der nackte Kampf ums Überleben. Der Film scheint nicht eine „Es könnte doch noch alles gut werden“-Szene zu haben. Deshalb werde ich auf den Anfang und auf das Ende des Films eingehen.

Die Anfangsszene des Films prägt sofort seine gesamte Stimmung: Ausweglosigkeit. Ohne ein Bild zu sehen, hört man zunächst nur Strampeln im Wasser. Im nächsten Augenblick kommt Hauptprotagonist Wuff ins Bild, der verzweifelt in einem Wassertank schwimmt. Man sieht, dass ihm allmählich die Kraft ausgeht, er paddelt immer schwächer, sinkt dann bewusstlos in die Tiefe und stirbt. Nach einigen Sekunden zerren ihn die anwesenden Wissenschaftler grob aus dem Tank und beginnen ihn an riesige Maschinen anzuschließen, um den Hund wiederzubeleben. Wozu? Damit sie noch mehr Experimente an ihm durchführen können. Diese Szene ist so schrecklich, da Lebewesen wie Objekte behandelt und gequält werden. Nicht einmal durch den Tod kann Wuff seiner Situation entkommen, er wird einfach wiederbelebt um weiter zu funktionieren.

„Die Hunde sind los“ endet wie er begonnen hat im Wasser. Snitter und Wuff werden im Verlauf des Films Opfer einer öffentlichen Hetzjagd. Über die Medien lassen die Wissenschaftler aus dem Labor verbreiten, die beiden Hunde wären Träger einer hochansteckenden Krankheit und müssten deswegen umgehend getötet werden. Als die Hunde schließlich nach langer Flucht von allen Seiten umkreist sind, einerseits von den Menschen, andererseits vom Ozean, scheint der Kampf zu Ende zu sein. Doch Snitter glaubt in der Ferne eine Insel im Meer zu sehen und stürzt sich in die Fluten. Beide Hunde schwimmen um ihr Leben und entkommen den Menschen. Aber das Ende bleibt offen. Man sieht die beiden Hunde paddeln und schnaufen. Sie gehen beinahe unter. Auch am Horizont ist nichts zu sehen. Snitter will aufgeben, aber Wuff treibt ihn weiter und man sieht sie im Nebel verschwinden. Es bleibt offen, was mit den Helden des Films geschieht. Nachdem aber Snitter während des Films immer wieder einmal Halluzinationen hatte, die von einer Wunde am Kopf verursacht wurden, ist fraglich, ob es überhaupt eine Insel gibt.

Ich finde den Film im gleichen Maße herausragend, tiefgründig, schrecklich, grausam und traurig. Fast möchte ich sagen, dass er mir nicht gefallen hat. Das hängt aber wohl mit dieser ganzen Ausweglosigkeit und dem schmerzhaften Schluss zusammen. „Die Hunde sind los“ ist ein sehr guter Film, der eindeutig für Erwachsene gedacht ist und meiner Meinung nach absolut nicht für junge Kinder geeignet ist. Er beweist wieder mal, dass man die Kinder der 80er noch nicht so in Watte gepackt hat wie heute. Der Film sagt: „Hier, Hunde werden gequält, gejagt und sterben. Komm damit klar!“ Ob das heute noch möglich wäre, wage ich zu bezweifeln.

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