Sophias Düstere Kinderfilme: Das letzte Einhorn (1982)


Das letzte Einhorn

Übersicht
Kinostart (DE):
21.10.1983
Dauer:
89 Minuten
Genre:
Fantasy, Zeichentrick
Regie:
Jules Bass / Arthur Rankin
Wertung
6 / 10

Heute geht es um einen Zeichentrickklassiker der 80er Jahre: „Das letzten Einhorn“ von Jules Bass und Arthur Rankin Jr. Der Zeichentrickfilm basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Peter S. Beagle aus dem Jahr 1968 und wurde von dem japanischen Animationsstudio Topcraft zum Leben erweckt. Topcraft ist übrigens das Studio, aus dem später das sehr beliebte Studio Ghibli hervorging.

Der Film erzählt die Geschichte des letzten lebenden Einhorns, das sich auf die Suche nach seinen Artgenossen macht. Unterstützt wird es bei diesem Quest vom Zauberer Schmendrick und der Köchin Molly Grue. Gemeinsam überstehen sie viele Gefahren und lüften letztendlich das Geheimnis um die verschwundenen Einhörner.

Nun hat der Film eine Altersfreigabe von sechs Jahren, was vermutlich auf den ersten Blick auch zutreffend ist. Gibt es doch zunächst zahlreiche grüne Blumenwiesen, ein wunderschönes Einhorn und den frechen singenden Schmetterling. Aber das trügt. Denn wie so viele andere Filme in dieser Kolumne hat auch „Das letzte Einhorn“ einige unvergessliche düstere Episoden zu bieten.

Der erste Schockmoment ereilt die Zuschauer in Mommy Fortunas Kuriositätenzirkus. Mit einem faulen Zauber lässt die alte Hexe ihre Besucher glauben, sie hätte allerhand Fabeltiere in ihren Käfigen gefangen. Doch nur das Einhorn und die hässliche Harpyie sind tatsächlich magisch. Bei der Flucht aus dem Käfig befreit das Einhorn auch die Harpyie und lässt sie auf Mommy Fortuna los. Doch anstatt sich zu schützen, heißt die Zauberin ihren Tod mit offenen Armen und einem Grinsen im Gesicht willkommen. Gierig und wütend stürzt das geflügelte Biest auf sie hinunter und frisst sie bei lebendigem Leib. Bei dieser Szene bekomme ich jedes mal Gänsehaut – aber die schlechte Art.

Auch König Haggard – im Englischen wunderbar gesprochen von Christopher Lee – hinterlässt ein mehr als ungutes Gefühl. Das liegt nicht nur an seinem Design. Haggard ist ein sehr dürrer, alter Mann mit wirrem weißem Haar und bösartig funkelnden Augen. Von allen Menschen (außer seinem Ziehsohn Lír) verlassen, lebt er in einem windschiefen dunklen Schloss auf einer Klippe, das jeden Moment einzustürzen droht. Sein Wunsch, alle Einhörner der Welt als Einziger zu besitzen, hat ihn verrückt werden lassen. Skrupellos bedroht er Lady Amalthea aka. das letzte Einhorn und setzt sogar seinen Sohn der Gefahr des roten Stiers aus.

Meine liebste Figur im ganzen Film und damit auch meine Lieblingsszene ist das Treffen mit dem sprechenden Skelett. Schon als Kind konnte ich mich über diesen Teil kaputtlachen. Schmendrick und Molly versuchen ein verzaubertes Skelett dazu zu bringen, ihnen den Aufenthaltsort des roten Stiers zu verraten. Doch dieses lacht nur und macht sich über die beiden lustig. Als Schmendrick plötzlich so tut, als ob er Wasser in Wein verwandelt hätte, möchte das Skelett den Wein im Austausch gegen Informationen haben. Verzweifelt fleht es den Zauberer an, bis dieser nachgibt und den Alkohol aushändigt. Das Knochengerippe trinkt den nicht existenten Wein schnell leer und wird augenblicklich betrunken. Noch heute mag ich diese Episode.

Ich muss dennoch zugeben, dass „Das letzte Einhorn“ kein Film ist, den ich mir gerne ansehe. Die Stimmung des Films ist mir persönlich oft zu schwer und an einigen Stellen gleitet er in puren Kitsch ab, ohne dabei besonders intelligent zu sein. Ist das zu harsch? Was mir tatsächlich gefällt, ist das Ende des Films. Weil es dann vorbei ist? Nein, nein. Das Ende ist deshalb gut, weil es kein 0815 Happy End ist, das wir als modernes Publikum von Hollywood so sehr gewohnt sind. Um es mit Schmendrick zu sagen: “There are no happy endings because nothing ends.”



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