Sophias Düstere Kinderfilme: Coraline (2009)


Coraline

Übersicht
Kinostart (DE):
13.08.2009
Dauer:
101 Minuten
Genre:
Fantasy, Horror, Stop-Motion
Regie:
Henry Selick
Studio:
Laika
Wertung
10 / 10

Unglaublich. Der Artikel heute ist bereits der zwanzigste in der „Düstere Kinderfilme“ – Reihe. Wie schnell die Zeit vergeht. Ich danke euch auf jeden Fall für euer Interesse und für die vielen Anregungen und Diskussionen in den Kommentaren.

Mit „Coraline“ bespreche ich heute bereits zum dritten Mal einen Film von Regisseur Henry Selick. Neben „The Nightmare Before Christmas“ ist „Coraline“ sein wohl bekanntestes Werk. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman des wundervollen Autors Neil Gaiman und erweckt die Welt rund um die namensgebende Hauptprotagonistin in einer spektakulären Stop-Motion-Version zum Leben. Dafür wurde „Coraline“ zurecht 2010 als bester animierter Spielfilm für die Oscars nominiert (verlor aber leider gegen Pete Docters „Oben“).

Der Film handelt von der elfjährigen Coraline Jones, die mit ihren Eltern in ein neues Haus zieht und dort prompt in ein doch ziemlich gruseliges Abenteuer gerät. Da sie das Gefühl hat, ihre Eltern würden sich nicht wirklich für sie interessieren, sucht sie in einer Parallelwelt Zuflucht. In dieser Welt trifft sie auf ihre, wie sich die seltsame Frau vorstellt, andere Mutter. Diese gleicht ihrer Mutter bis aufs Haar, hat aber Knöpfe statt Augen. Und damit nehmen die Ereignisse ihren Lauf.

„Coraline“ ist eine absolut gelungene Literaturverfilmung und stellt Neil Gaimans Charaktere und Schauplätze in einer regelrechten Animationsexplosion vor. Meiner Meinung nach ist die Stop-Motion-Technik für die Geschichte wie gemacht. Nur so kann gerade die andere Dimension in ihrer Vielfalt und Farbgewalt authentisch dargestellt werden. Und auch die oft etwas eigentümlichen Figuren profitieren von dieser Darstellungsweise.

Um für euch alle Aspekte aufzuzählen, die an „Coraline“ düster sind, bräuchte ich wohl einige Seiten. Deswegen will ich mich wie immer auf zwei Aspekte beschränken, die unter Umständen dafür gesorgt haben, dass ich den ein oder anderen Lüftungsschacht auf seine Portaltauglichkeit hin überprüft habe.

Normalerweise hebt man sich das Beste bekanntlich für den Schluss auf, aber warum damit warten? Sagen wir, wie es ist. Die andere Mutter ist ein wahr gewordener Alptraum und das Netz, das sie immer fester um Coraline spannt, ist eine furchtbare Falle. Während sie am Anfang noch nett und zugänglich wirkt, entpuppt sich die andere Mutter im Verlauf des Films als grausames Monster, das Kinderseelen stiehlt. Dass sie nicht ganz koscher ist, hätte man schon an den Knopfaugen merken sollen. Doch Coraline selbst wird erst skeptisch, als die andere Mutter ihr ebenfalls Knöpfe in die Augen nähen will.

Dazu kommt noch die wahre Gestalt der anderen Mutter. Die meiste Zeit des Films über ist sie eine Kopie von Coralines echter Mutter. Erst gegen Ende offenbart sie ihre echte Gestalt, die einer riesigen Spinne gar nicht so unähnlich ist. Ihr Gesicht wird zu einer grausamen hohlwangigen Fratze, ihr Körper schießt in die Höhe, verformt sich und wird unnatürlich dünn. Dazu verlängern sich ihre Gliedmaßen spinnenbeinartig und aus ihren Händen ragen spitze Klauen. Hilfe!

Ebenfalls im Gedächtnis geblieben sind mir die Geisterkinder, die Coraline warnen. Sie haben der anderen Mutter nachgegeben und sich Knöpfe in die Augen nähen lassen. Dafür verloren sie aber ihre Seelen und sind nun für immer in der Dimension der Monstermutter gefangen. Das Artwork der Geisterkinder macht mir besonders Gänsehaut. Man könnte fast meinen, dass Tim Burton dahinter steckt. Denn mit ihrer bleichen Haut, ihren verzerrten Gesichtern und ihren dürren Armen und Beinen würden sie gut in einen seiner Filme passen.

Ich finde „Coraline“ großartig und empfehle ihn jedem, der ihn noch nicht kennt. Unbedingt anschauen ist da die Devise. Mir persönlich stellen sich zwar jedes Mal die Nackenhaare auf, wenn die andere Mutter erscheint, aber der Film ist einfach so spannend, dass sogar ich das gerne ertrage. Um den Regisseur Henry Selick ist es mittlerweile sehr ruhig geworden. 2012 wurde bekannt gegeben, dass er angeblich gerade an einer Verfilmung des „Graveyard Book“ (ebenfalls von Neil Gaiman) arbeite. Doch bis heute gab es dazu keine weiteren Neuigkeiten. Passen würde dieses Projekt auf jeden Fall zu ihm. Ich würde mich über eine Stop-Motion-Version von „The Graveyard Book“ sehr freuen.



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