Sophias Düstere Kinderfilme: Aufstand der Tiere (1954)


Aufstand der Tiere

Übersicht
Kinostart (DE):
29.12.1954
Dauer:
72 Minuten
Genre:
Drama, Zeichentrick
Regie:
Joy Batchelor / John Halas
Wertung
7 / 10

Heute habe ich mir für euch den Zeichentrickfilm „Aufstand der Tiere“ aus dem Jahr 1954 angeschaut. Er gilt als der erste gezeichnete europäische Film in Langspieldauer und adaptiert die Fabel „Animal Farm“ von George Orwell. Der eine oder andere von euch ist bestimmt schon einmal über dieses Buch gestolpert – sei es im Englischunterricht, in einer kleinen Ecke der Buchhandlung eures Vertrauens oder aber im Onlineshop eurer Wahl. Die Fabel zählt zu einem der bekanntesten Erzählstoffe der Moderne und ist bis heute zeitlos.

Bricht man die Handlung einmal schnell herunter, geht es hauptsächlich um eine Farm, deren ausgebeutete Tiere sich gegen ihren Bauern wenden. Sie verjagen ihn, um schließlich eine eigene Gesellschaft aufzubauen. Dabei sollen sich die Tiere der Farm an sieben Gesetze halten, wobei das wichtigste lautet: Alle Tiere sind gleich. Bald aber beginnen die Schweine unter der Leitung des Ebers Napoleon die Macht an sich zu reißen.

Nun können wir hier gerne wieder die ewige Diskussion vom Zaun brechen: Kinderfilm oder nicht? Denn immerhin ist die Vorlage ein Buch für Erwachsene. Ich sage – nach einigem Überlegen – ja, es ist ein Kinderfilm. Das hat den einfachen Grund, dass der Film in seiner Gestaltungsweise und Machart viel von bekannten Disneycartoons übernimmt. So unter anderem den Zeichenstil der Pferde, Schafe, Hühner und Gänse, aber auch das Einfügen von kurzen Slapstickeinlagen. Was bei der ernsten Thematik des Films zunächst unpassend erscheint, doch vielleicht sollte so versucht werden, die Erzählung kindgerechter zu machen.

Kindgerecht oder nicht. Der Film kann aufgrund seiner Vorlage kaum auf Gewalt und düstere Szenen verzichten. Als sich eine Gruppe Tiere, angeführt von den Hühnern, gegen die Regierung Napoleons wendet, werden diese umgehend bestraft. Sie werden zusammengetrieben, von der abgerichteten Hundewache eskortiert und schließlich vor einem Schuppen hingerichtet. Die Kamera zoomt großzügigerweise über die Dächer der Farm, um dem Zuschauer genauere Bilder zu ersparen.

Wirklich herzzerreißend fand ich Boxers Unfall. Boxer ist das stärkste Pferd der Farm und der härteste Arbeiter. Doch eines Tages hat er einen Arbeitsunfall und kann danach nicht mehr weiter schuften. Napoleon gibt vor, ihn ins Krankenhaus bringen zu lassen. Doch in Wahrheit verkauft er den verletzen Boxer für Alkohol an ein Schlachthaus. Boxers bester Freund Benjamin erkennt den Verrat sofort und versucht den Wagen, der das Pferd abtransportiert, zu stoppen. Leider schafft er es nicht und muss unter traurigen Rufen mit ansehen, wie sein Freund verschwindet. Bei seinem verzweifelten Blöken wurde mir ganz schwer ums Herz.

„Aufstand der Tiere“ verarbeitet die Message von „Animal Farm“ gut und hält sich größtenteils an die Vorlage, doch das Abändern des Schlusses hätte nicht unbedingt sein müssen. Der Film ist ergreifend und man kann mit den Tieren mitfühlen und beginnt schnell, Napoleon leidenschaftlich zu hassen. In der französischen Version des Films heißt der böse Napoleon übrigens César. Was soll ich dazu noch sagen. Zwinkersmiley!


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