Sophia liebt Cartoons: Teenage Mutant Hero Turtles (1987-1996)

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Ihr wollt wissen, warum ich Pizza liebe? Frühkindliche Prägung, würde ich sagen. Bei den Mengen an Pizza, die die Ninja Turtles in der (fast) gleichnamigen Cartoon-Serie verdrückten, musste das ja abfärben. In den 90ern gehörten die „Teenage Mutant Hero Turtles“ zu meinem Pflichtprogramm am Samstagmorgen und ich wollte unter keinen Umständen eines ihrer Abenteuer verpassen. Ich bastelte mir sogar aus Krepp-Papier eine stilechte orangefarbene Augenbinde und setzte mich mit meiner Raphael-Figur bewaffnet vor den Fernseher. So sah das damals aus. Seitdem ist viel Zeit vergangen, aber ich muss gestehen: Ich würde es heute wieder tun.

Und warum auch nicht, die Ninja Turtles sind zeitlos. Denn alle paar Jahre sind sich Studios wie Nickelodeon und Konsorten nicht zu schade, eine neue Version der Turtles herauszubringen, um die Kuh zu melken. Doch begonnen hat der Siegeszug der Turtles mit einer Comic-Serie in den USA. Die Väter der Turtles sind die beiden Zeichner und Ex-besten-Freunde Kevin Eastman und Peter Laird. Gemeinsam entwickelten sie in ihrer WG die „Teenage Mutant Ninja Turtles“, einen Comic rund um vier menschenähnliche Schildkröten, die mit asiatischen Waffen das Verbrechen bekämpfen.

Mitte der 80er Jahre wurde der Comic in Amerika so populär, dass viele Fernsehstudios begannen, den beiden Zeichnern Angebote für eine mögliche Zeichentrickserie zu unterbreiten. Letztendlich willigten Eastman und Laird ein, mussten aber auf dem Weg zur Cartoon-Serie viele Kompromisse eingehen. Denn der ursprüngliche Comic war für ein älteres Publikum gedacht, enthielt Blut, Schimpfwörter und war auch sonst nicht sehr kinderfreundlich. Doch gerade Kinder wollte man mit der Serie erreichen, denn die würden vermutlich auch das geplante Merchandise kaufen.

So entstanden nach vielen Versuchen die Turtles, wie wir sie heute kennen. Leonardo, Raphael, Donatello und Michelangelo lieben Pizza, reißen einen Witz nach dem anderen und sind um keine Albernheit verlegen. Auch die verschiedenfarbigen Augenbinden und unverkennbaren Charaktereigenschaften der Turtles stammen nicht aus der Comic-Vorlage. Ursprünglich hatten die vier Helden alle eine rote Augenbinde, was sie als Team kennzeichnete. Aber für die Serie behielt nur Draufgänger Raphael die rote Farbe. Anführer Leonardo erhielt eine blaue Augenbinde, der intelligente Donatello bekam eine violette und Witzbold Michelangelo eine orangefarbene.

Doch die Veränderungen waren noch nicht am Ende. Jeder der Turtles trägt eine eigene Waffe. Raphael kämpft mit zwei Sai, Leonardo mit Katana, Donatello mit einem Bō und Michelangelo mit einem Nunchaku. In Großbritannien jedoch wurde Michelangelos Ausrüstung nicht gerne gesehen, denn dort galten Nunchakus als besonders gefährlich. Was ein Katana im Vergleich nun ungefährlicher macht, ist mir schleierhaft, aber der verantwortliche britische Fernsehsender tauschte Michelangelos Waffe einfach gegen einen Enterhaken aus und versuchte das Nunchaku so gut wie möglich aus der Serie zu schneiden. Vergleicht einmal das amerikanische und das britische Intro und ihr werdet sehen, was ich meine. Auch vor dem Titel machten die Briten nicht halt. Sie entfernten das allzu gewalttätige Wort „Ninja“ und ersetzten es durch „Hero“, was alle europäischen Versionen der Serie übernahmen. Erst später sollte „Teenage Mutant Hero Turtles“ zu dem einfacheren Titel „Ninja Turtles“ geändert werden.

Mittlerweile befinden wir uns (von den Kinofilmen abgesehen) in der fünften Turtles-Generation. Seit 2018 gibt es die vier Schildkröten wieder einmal in neuem Design und wieder einmal sind sie dazu da, eine Generation Kinder zu begeistern und Merchandise zu verkaufen. Ja, so ist das. Aber wir sollten die gute Seite daran sehen. Die Turtles bleiben uns auf die eine oder andere Weise erhalten und entwickeln sich weiter. Denn nur so – das finde ich zumindest – kann eine Geschichte, ein Stoff oder eine Idee über die Zeit bestehen, ohne in Vergessenheit zu geraten. Deshalb freue ich mich auf weitere Turtles-Abenteuer, auch wenn ihre Köpfe sehr eckig sind. Cowabanga, meine Freunde.

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