Shirley Jackson veröffentlichte 1959 den Gruselroman „The Haunting of Hill House”. Es ist einer der bekanntesten Geisterhausromane. Kurze Zeit nach Veröffentlichung des Romans wurde Robert Wise (West Side Story, Star Trek – Der Film) darauf aufmerksam, und sicherte sich die Rechte. Die Geschichte hat Kultstatus erhalten und ist mehrmals verfilmt worden.

Bis das Blut gefriert…

In „The Haunting“ (1963) will Professor Markway herausfinden ob es im seit 90 Jahren leerstehenden Hill House tatsächlich spukt. Dazu nimmt er drei Personen mit, den Skeptiker Luke, dem Erben des Hauses, die freche und unterschwellig lesbische Theo, und die unsichere, leicht neurotische Eleanor, „Nell“ Vance. Zusammen sollen die Vier für einige Zeit in Hill House bleiben, um etwaigen Spuk zu begegnen. Schon bald häufen sich seltsame Ereignisse, die die Kurzzeit-Bewohner an ihren Verstand zweifeln lassen. Sind das alles nur Hirngespinste, oder spukt es in Hill House wirklich?

Angst & Psychologie

Das äußere Hill House war kein Set, sondern das Ettington Park Hotel in Warwickshire, das Innere war dafür gebaut. Das Set löste klaustrophobische Zustände aus. Die Innenszenen wurden mit speziellen Objektiven gedreht, welche die Wände leicht kurvig erscheinen ließen. Der Effekt mit der sich verbiegenden Tür lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken kriechen, ebenso die Szene, in der Nell mit Theo spricht, die vermeintlich mit ihr im Bett liegt („What was holding my hand?“). Der Cast verstand sich sehr gut, nur Julie Harris isolierte sich – gemäß ihrer Rolle – von den anderen, was sie aber dennoch oft bereute.

Das Buch und der Film sind bis auf Kleinigkeiten beinahe ident. Ein großer Unterschied jedoch in seiner Thematik. Während das Buch sich nur auf die Spukelemente fokussiert, lässt der Film die Möglichkeit einer psychischen Erkrankung zu. Im ursprünglichen Drehbuch soll Eleanor am Ende in einer Psychiatrie aufwachen. Nachdem sich Drehbuchautor Nelson Gidding mit Autorin Shirley Jackson getroffen hatte, wurde diese Idee aber verworfen. Elemente dieses Konzepts wurden aber trotzdem verwendet und machten den Film zu dem Kultwerk, das er bis heute ist.

CGI is what’s holding your hand, Nell

Die zweite Verfilmung des Buches stammt aus dem Jahr 1999 von Jan de Bont. Dieser verzichtet auf eine psychologische Interpretation und legt alles auf Grusel und veraltete CGI. Dabei geht leider sehr viel Tiefe verloren. Das dürfte aber auch vermutlich daran liegen, dass die Produzenten nicht die Rechte auf die Originalverfilmung hatten, sondern stattdessen das Buch noch einmal verfilmen mussten. Apropos Produzenten: Steven Spielberg war einer davon. Gerüchteweise soll er sogar ein paar Szenen selbst inszeniert haben. Allerdings soll ihn das fertige Produkt so sehr gestört haben, dass er seinen Namen komplett streichen ließ, um nicht damit in Verbindung gebracht zu werden.

Dafür stammte die erste Version des Drehbuchs von niemand geringerem als Stephen King. Diese Version wurde allerdings abgelehnt, und King recyclete es für die Miniserie „Rose Red“. Im Cast waren Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones, Owen Wilson und Lilly Taylor. Viel gibt es nicht dazu zu sagen, außer, dass der Film längst nicht die Qualität der Originalverfilmung erreicht hat.

The Haunting of Netflix

2018 folgte die dritte Verfilmung, diesmal als 10-teilige Serie auf Netflix. Als Showrunner fungierte der Horror-erprobte Mike Flanagan, der auch alle Episoden inszenierte. Jacksons Buch wurde komplett überarbeitet adaptiert, und Flanagan baute nicht nur die psychologische Komponente mit ein, sondern machte sie zu einem zentralen Thema.

Das Hauptmotiv der Serie sind die 5 Stadien der Trauer: Ignoranz, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Diese Stadien sind auf die 5 Crain-Geschwister aufgeteilt. Als Kinder lebten sie einem Sommer lang in Hill House, doch dann ist dort Schreckliches passiert. Die Geschwister haben die dortigen Erlebnisse, natürlicher und übernatürlicher Natur, nie überwunden. Ein erneutes dramatisches Erlebnis führt sie wieder zusammen, und zwingt sie dazu, sich mit ihrem Trauma und ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

RedruM in the Red Room

Die Serie wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Einerseits die Ereignisse in Hill House in jenem Sommer, als sie Kinder waren. Andererseits die Geschehnisse in der Gegenwart. In der wohl besten Folge der Serie werden die beiden Zeitebenen in einer Plansequenz-Episode zusammengefügt. Das Set wurde im Vorhinein so gebaut, dass es diese Verbindung zur Vergangenheit erlaubte.

Des weiteren spukt es in Hill House gewaltig. Inspiriert vom Suchrätsel Buch „Wo steckt Waldo“ sind über alle Episoden verschiedene Geister versteckt. Sie stehen still und stumm im Hintergrund herum, unbemerkt von den ProtagonistInnen. Dies verstärkt die gruselige Atmosphäre und sorgt für einige Rewatchs.

Die Tragik des Geistes

Flanagan porträtiert Geister nicht bloß als böse Entitäten, die die Lebenden bedrohen. Er stellt sie als tragische Gestalten dar, gefangen in einem ewigen Limbo, unfähig, weiterzuziehen. Die bekannte Phrase, dass beim Ableben das gesamte Leben wie ein Film vor dem geistigen Auge abläuft, wird dadurch pervertiert. Und dadurch zeigt sich die ganze Tragik des Geistes.

Dass nicht alle Geister gute Menschen waren, das bezeugen zahlreiche gruselige Szenen und Momente. Auch hier beweist Flanagan sein Geschick mit Horror, indem er die Erwartungshaltung des Publikums subvertiert, und so das Schrecken anders als gedacht passiert.

Gleichzeitig wird aber die Hintertür für eine rationale Erklärung offengelassen. Je nachdem, wie man die Serie sehen will, funktioniert sie. „The Haunting“ ist übrigens eine Anthologieserie, bei der jede Staffel eine andere Geschichte erzählt. Die zweite „Staffel“ kam heuer heraus, aber das ist eine Geschichte für ein anderes Halloween.

Happy Halloween

By Bernhard

Seit frühester Kindheit ein Fan und Liebhaber von Filmen und Serien jedweder Art, setzt Bernhard alles daran, um sein Wissen und seine Fähigkeiten in diesem Metier zu vergrößern und zu verfeinern. Als wandelndes Filmlexikon zieht der Österreicher durch die Lande, um den Menschen Neuigkeiten über das cineastische Treiben kundzutun.

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