Eines Tages entdeckte Schauspielerin Winona Ryder das Drehbuch für eine TV-Adaption von „Dracula“ und verliebte sich sofort darin. Sie kontaktierte Regisseur Francis Ford Coppola und bat ihn, diesen Film zu machen. Coppola brauchte nach einem Jahrzehnt von geringen Erfolgen auch wieder einen Hit, und willigte natürlich ein. Das Ergebnis ist ein epochaler Kostümfilm, der eine kurze Welle von Horrordramen in den 90ern auslöste, und mehrere Oscars gewann.

Ihr kennt die Geschichte…

Der Londoner Jonathan Harker (Keanu Reeves) wird nach Transylvanien geschickt, um dort mit Graf Dracula den Verkauf mehrere Anwesen in London abzuwickeln. Harker weiß jedoch nicht, dass sein Gastgeber ein Jahrhunderte alter Vampir (Gary Oldman) ist. Während Harker im Schloss des Grafen von dessen Bräute (u.a. Monica Bellucci) gefangen gehalten wird, reist Dracula in die Hauptstadt des Britischen Imperiums. Dort macht er sich an Harkers Verlobte Mina (Ryder), eine Wiedergeburt seiner verstorbenen Frau, heran. Als sich der Gesundheitszustand von Minas bester Freundin Lucy (Sadie Frost) zunehmend verschlechtert, wird Doktor van Helsing (Anthony Hopkins) gerufen, der schnell die Krankheit diagnostizieren kann: Vampirismus. Eine getreue Bande aus (un)erschrockenen Männern macht sich auf, dem untoten Schrecken ein für alle Mal den Gar auszumachen.

Die Naturgesetze des Filmes

Coppola hat für den Film Oldschool-Filmtechniken angewendet. So sind die Effekte nicht durch CGI entstanden, sondern waren praktische Effekte in-camera. Als Effekte-Supervisor war Coppolas 28-jähriger Sohn Roman angestellt. Unter anderem wurden Fehlende Spiegelungen durch „Falsche Spiegel“ mit Bodydoublen erzeugt. In der Prä-Produckion kam Coppola auf die Idee, dass die Naturgesetze in der Anwesenheit von Vampiren ausgelassen würden. Darum konnten sich Schatten selbstständig bewegen, und darum konnte ein Wassertropfen aufwärts fallen.

Schlussendlich greift der Film auch Filmgeschichte und deren Mythen auf, als Coppola während einer Szene in einem Varieté-Zelt die Geschichte um die panischen Zuseher bei „Ankunft eines Zuges“ referenziert. Diesmal ist es nicht der Filmausschnitt um den auf die Kamera zufahrenden Zug, weswegen die Leute schlagartig die Vorführung verlassen, sondern ein von Dracula manipulierter Wolf.

Es heißt „Bram Stoker’s Dracula“

„Bram Stoker’s Dracula“ ist anders als andere Dracula-Verfilmungen, neben der BBC-Verfilmung von 1977 hält sich Coppolas Film am getreuesten an die Vorlage. Viele kleinere Details wie das blaue Feuer in den Wäldern kommen vor. Ebenso Stokers Lore, dass Vampire auch am Tag herumrennen können. Auch die Tagebuch-Einträge, in deren Form der Roman verfasst worden war, werden oftmals referenziert. Gleichzeitig ließ sich der Film von vorherigen Dracula-Versionen inspirieren. Der Titelzusatz „Bram Stoker’s“ soll die ZuschauerInnen dazu verleiten, ihn weniger als reinen Horrorfilm zu sehen. Vielmehr ist er ein Gothik Horror-Film mit eine gruseligen Atmosphäre; und Blut. Dabei war es auch ein gewitzter Marketing-Trick.

„I’ve crossed oceans of time…“

Denn dieser Film nimmt sich auch viele Freiheiten: Der Prolog offenbart Dracula als Vlad Tepes III. Stoker hat die Herkunft von Draculas Namen nie explizit erwähnt. Renfield (Tom Waits) war Harkers Vorgänger in der Anwaltskanzlei. Der größte Unterschied jedoch ist die Liebesgeschichte. Im Roman war Mina nie die Reinkarnation von Elisabeta. Das wurde extra für den Film so geschrieben, und hat seinen Weg in das kollektive Gedächtnis der Zuschauer gebahnt. Auch wenn es eine ordentliche Abänderung der Originalgeschichte ist (die Filmversion von ’74 hat das auch schon gemacht), so macht es mehr aus der Geschichte und den Figuren. Mina ist somit keine einfache Damsel in Distress, die von Dracula aus Rache an Harker und dem Rest gebissen wird. Sie entscheidet sich aus freien Stücken und aus Liebe dafür.

Dracula wird zu einem Antihelden, einer beinahe tragisch-sympathischen Gestalt. Seine Gegner wiederum werden mehr und mehr zu besessenen Fundamentalisten. Diese Diskrepanz hat mich bei dem Film immer beeindruckt, und tut es noch heute. Ungeachtet seiner Makel.

Die Ewigkeit des Vampirs

„Bram Stoker’s Dracula“ ist ein bildgewaltiges und opulentes Gothic-Horror-Kostümdrama. Allein deshalb sticht der Film aus der Vielzahl an Verfilmungen heraus. Trotz seiner künstlerischen Freiheiten ist er doch auch sehr originalgetreu, und vereint alle wichtigen Figuren aus dem Roman. Coppola hat einige interessante Entscheidungen für den Film getroffen, und der Film hat verdientermaßen 3 von 4 Oscars gewonnen. Der Score von Wojciech Kilar ist bombastisch. Die Liebesgeschichte zwischen Mina und Dracula hat es in das kollektive Gedächtnis geschafft. Viele der zahlreichen Verfilmungen haben auch diese mit eingebaut. Somit hat auch Coppolas Version seinen Stempel in der Ewigkeit des Vampirgrafens hinterlassen.

By Bernhard

Seit frühester Kindheit ein Fan und Liebhaber von Filmen und Serien jedweder Art, setzt Bernhard alles daran, um sein Wissen und seine Fähigkeiten in diesem Metier zu vergrößern und zu verfeinern. Als wandelndes Filmlexikon zieht der Österreicher durch die Lande, um den Menschen Neuigkeiten über das cineastische Treiben kundzutun.

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