Zombies sind aus der Kino- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Seien es Dramaserien wie „The Walking Dead“, Non-Stop-Action-Rides wie „Train to Busan“, Komödien wie „Shaun of the Dead“ oder „Zombieland“ oder Dramen wie „Maggie“. Dabei sind Zombies eine vergleichsweise junge Art von Monstern.

Heißhunger auf eine Erläuterung

Das Wort „Zombie“ entstammt den Wörtern „zonbi“ und „nzumbe“, welche „Wiedergänger“ bedeuten. Damit gemeint sind wiederauferstandene und umherirrende Verstorbene, Untote. Oft mit es mit „Voodoo“ in Verbindung gebracht. Durch ein Gift wird der Scheintod herbeigeführt, wenig später werden die Betroffenen reanimiert, und als willenlose Sklaven eingesetzt. Der Film „White Zombie“ nahm sich seinerseits dieses Themas an.

Die Nächte der lebenden Toten

Doch natürlich kennen wir Zombies als leibhaftige Untote, die gern Menschenfleisch (oder nur Hirn) verspeisen. Und auch wenn Richard Mathesons Vampire in „I Am Legend“ sich wie Zombies verhalten, so ist es doch George Romero gewesen, der Zombies zu dem Popkulturgut gemacht hat, das wir heute kennen. Romero war der erste, bei dem Zombies wirklich Untote sind, die wieder auferstehen. Er beginnt seinen Film treffenderweise auch auf einem Friedhof, der von Geschwisterpaar Barbara und Johnny aufgesucht werden. Staat Friedhofs-Stille werden die beiden aber von einem – stolpernden aber dennoch laufenden – Zombie attackiert. Barbra schafft es, in ein einsames Haus zu flüchten, wo sie auf andere Überlebende trifft. Während das Haus von den Untoten umzingelt wird, wird die Spannung im Haus immer unerträglicher. Gegenseitiges Misstrauen führt schließlich zum Untergang, und nur der schwarze Ben kann die Nacht der lebenden Toten überleben, nur um am Morgen von Zombie-jagenden Rednecks erschossen zu werden.

Zombiefilme geben kaum Aufschluss auf die Herkunft der Pandemie. Der gerade dieser erste Film gibt im Hintergrund ein paar Aufschlüsse: So wird in Radio von einem abgestürzten Satelliten gesprochen, der eine bestimmte Strahlung abgibt. Näheres weigert sich der Film aber zu definieren. Romero hatte allerdings Pech mit der Patentierung des Filmes bzw des Titels, sodass es hierauf kein Urheberrecht gibt. Darum konnte der Film in den folgenden Jahrzehnten umgeschnitten, neu gedreht und in verschiedenen anderen filmen gezeigt werden.

Dawn of the Capitalism

In den 70er Jahren folgte Romeros nächster Zombiestreich, unter Beihilfe von Dario Argento. In „Dawn of the Dead“ ist die Zombieplage schon weit verbreitet. Zu Beginn des Filmes räumt eine Polizei-Spezialeinheit ein Gebäudekomplex, in welchem Afroamerikaner leben. Dort werden sie von Zombies überrannt. Zwei überlebende SWATs und ein Reporterteam verbarrikadieren sich in einem verlassenen Einkaufszentrum, und müssen bald nicht nur Zombiehorden, sondern auch eine bedrohliche Bikergang bekämpfen.

„Dawn of the Dead“ ist der beliebteste Teil der Reihe, und auch der bekannteste. Er ist auch der Film, der die Politisierung im Zombie-Genre verankert hat.* Die Polizei als Greifarm der Regierung geht gezielt gegen die Minderheiten-Communities vor. Das Kaufhaus dient als Tempel des Kapitalismus, und die Zombies repräsentieren natürlich die konsumierenden Massen. Das Make-Up stammt übrigens von Tom Savini, der auch einen der Biker verkörpert. Über die Entscheidung, den Zombies graue Haut zu verpassen, ist selbst er unglücklich.

Die Zombieepidemie hat die gesamte Welt übernommen. In einem geheimen Militärbunker wird das Verhalten der Zombies erforscht. Es wird versucht, den Untoten ihre Menschlichkeit zurückzugeben. Doch der sadistische Kommandant Rhodes hält nicht viel davon. Dafür darf er dann auch einen der ikonischsten Tode in einem Horrorfilm sterben. „Day of the Dead“ floppte zwar zunächst, wurde aber im laufe der Zeit zu einem Kultfilm stilisiert.

Das Land gehört den Toten

In den 90ern pausierte die Zombiereihe. 2004 machte ein junger Filmemacher namens Zack Snyder sich einen Namen, indem er „Dawn of the Dead“ remakte. Diesmal mit laufenden Zombies. Zwar hatte der Film nicht denselben kulturellen Einschlag wie das Original, aber er war irrsinnig erfolgreich, und löste eine erneute Zombiefilm-Welle aus. „Day of the Dead“ bekam übrigens auch ein – weitaus weniger erfolgreiches – Remake.

Romero kehrte ebenso zurück und machte seinen lang ersehnten vierten Teil. „Land of the Dead“ spielt in der nahen Zukunft, als die Menschen sich bereits mit der Zombieplage abgefunden hatte. In einer streng gesicherten Superstadt gibt es ein hartes Arm-Reich-Gefälle. Cholo (John Leguizamo) will gern in die elitären Ränge aufsteigen und mit Leuten wie Kaufman (Dennis Hopper) verkehren. Doch der betrügt ihn. Cholo klaut daraufhin den Panzerwagen „Dead Reckoning“, und sein Gefährte Riley (Simon Baker) wird beauftragt, ihn zurückzuholen. Währenddessen macht sich eine Meute Zombies unter Führung von „Big Daddy“ auf den Weg zur Stadt, um dort ein Festmahl zu veranstalten.

Es ist ein Film mit zeitloser Thematik, es sind die 99% gegen die 1%. Es ist auch der chronologisch letzte Film in der Reihe. Was bislang nur angeteasert wurde, bestätigt sich jetzt: Die Zombies haben eine Art von Intelligenz.

Press Record to Die

Zwei Jahre später hat sich Romero dem Found Footage-Genre zugewandt, und er macht auch eine Art Retcon. Denn mit „Diary of the Dead geht er zurück zu den Anfängen der Zombieapokalypse, und zeigt als Found Footage-Film, wie ein paar junge FilmemacherInnen mit den ersten Zombies in Berührung kommen. „Diary“ war ein finanzieller und qualitativer Flop. Romero sagte selbst in einem Interview, dass es andere besser gemacht hätten. Damit bezog er sich auf den spanischen Hit „[Rec]“.

Der sechste Teil, „Survival of the Dead“, ist erstmals eine direkte Fortsetzung. Denn der Film folgt den Abenteuern von Sarge, der in „Diary“ einen Miniauftritt hatte. Ihn und seine Gefährten verschlägt es auf eine kleine irische Insel, wo sie vor den untoten sicher sind – glauben sie. Denn sie geraten mitten in einen eskalierten Nachbarschaftsstreit zwei Großgrundbesitzer. Die Ursache liegt zwar bereits Jahrzehnte zurück, und es handelt sich um zwei alte Männer, doch deren gegenseitiger Hass aufeinander geht bis zum Tod, und darüber hinaus.

„Survival of the Dead“ ist Romeros letzter Zombiefilm. Eigentlich wollte er noch zwei gleichzeitig gedrehte Fortsetzungen machen (Teil 7 hätte „Road of the Dead geheißen), doch der Regisseur verstarb 2017.

Romero wollte immer darauf eingehen, dass die Untoten sich oftmals menschlicher verhalten, als es die Menschen tun. Seine Aussage, dass die Zombies nicht unbedingt Menschenfleisch essen müssen, und lernfähig sind, hat er aber bereits in Teil 3 und 4 getätigt. So bietet der Abschluss der Zombiereihe wenig Neues. Dafür ist ein Erbe unangefochten groß. George Romero hat das wahre Zombie-Genre begründet, und nicht nur eine Vielzahl an Filmen verdankt ihm ihre Existenz, auch eines der berühmtesten Filmmonster schlechthin auch.

* Ja, es ist schon klar, dass jeder Film, vor allem Horrorfilme, politisch sind.

By Bernhard

Seit frühester Kindheit ein Fan und Liebhaber von Filmen und Serien jedweder Art, setzt Bernhard alles daran, um sein Wissen und seine Fähigkeiten in diesem Metier zu vergrößern und zu verfeinern. Als wandelndes Filmlexikon zieht der Österreicher durch die Lande, um den Menschen Neuigkeiten über das cineastische Treiben kundzutun.

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