Marius’ Filmreise um die Welt: Der Schamane und die Schlange (2015)


Der Schamane und die Schlange

Übersicht
Kinostart (DE):
21.04.2016
Dauer:
119 Minuten
Genre:
Abenteuerfilm
Regie:
Ciro Guerra
Wertung
8 / 10

Kontext

Wurde für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Der Film basiert komplett auf wahren Ereignissen.
Die Produktion hat 1,4 Millionen Euro gekostet.

Kolumbianischer Film

In der Vergangenheit gab es kaum Förderung, seit 2003 können durch ein neues Gesetz mehr Filme produziert werden.
2000 wurden 4 Filme veröffentlicht. 2015 waren es mehr als 30.
Erfolgreichster Film: Träumen kostet nichts (2006)

 

Für Fans von…

Life of Pi, Into the Wild

 

Zum Film

 

Ich bin auf diesen Film bei der Recherche für diese Artikelreihe gestoßen. Davor hatte ich noch nie etwas von ihm gehört. Ich fand die ersten beiden Staffeln Narcos extrem gut, dort wurde ein spannender Teil kolumbianischer Geschichte verarbeitet, nur eben aus amerikanischer Sicht. In diesem Film wird die eigene Geschichte erzählt und zwar aus der Sicht der Ureinwohner. Ich habe bei so etwas immer Angst, dass es zu sehr in die Moralapostel-Richtung abdriftet, aber in diesem Film wird ein realistisches, paradoxes Bild gezeigt.

Der Film erzählt die Geschichte zweier Ethnologen, die sich in verschiedenen Jahrzehnten mit demselben Schamanen auf die Suche nach einer besonderen Pflanze machen. Ich habe selbst eine Zeit lang Ethnologie studiert, aber irgendwann abgebrochen. Meine Faszination für Entdecker und wie diese ihre Expeditionen gestaltet haben ist aber immer noch da. Der Film trifft genau diesen Nerv, selbst im Studium hatte ich nicht das Gefühl, einen so guten Einblick in die Strapazen einer solchen Reise zu gewinnen.

Der Film beginnt langsam. Von Anfang an wird den Schwarz-Weiß-Bildern viel Platz eingeräumt. Die Natur würde genug Farbe hergeben, aber die Dschungellandschaft wirkt auf diese Weise umso bedrohlicher. Ich habe eine kurze Zeit gebraucht, um mich darauf einzustellen. Dass es bis auf leichte Dschungelgeräusche keine Musik gibt, hat das auch nicht leichter gemacht. Nach 10 Minuten hat mich mein Mitbewohner gefragt, ob wir den Film nicht in anderthalbfacher Geschwindigkeit schauen wollen.

Wenn er dann aber Fahrt aufnimmt, wird das ganze zu einer ziemlich hypnotisierenden Erfahrung. Die Themen, die auf dieser Reise behandelt werden, sind nichts für zwischendurch: Kolonialismus, Kolumbiens Umgang mit seiner indigenen Bevölkerung, die Kautschuk-Industrie. Ich wurde in den Bann der Optik gezogen, und die Ruhe, die der Film einem vorgaukelt macht gewisse Szenen nur noch krasser.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir bei Sätzen wie „Du musst das Sperma der Sonne essen“ auch ein wenig das Lachen verkneifen musste. Man muss sich auf den Film einlassen und dann bekommt man eine packende Darstellung eines brutalen Kampfes um Identität. Es gibt eine Szene im Film, in der die Expedition zu einer Sekte kommt. Alles basiert auf wahren Begebenheiten und wie sich dieses Kapitel entwickelt ist unfassbar. Ich sage nur so viel: Das mit dem Christentum und dem Leib Christi kann man auch übertreiben.

Ich bin ohne Erwartungen an diesen Film gegangen, wenn überhaupt habe ich anstrengendes Arthouse-Kino erwartet. Ich wurde komplett überrascht. Alles was ich in einem Film sehen will, ist dabei. Schöne Optik, spannende Geschichte, schockierende Szenen. Als im Film dann gegen Ende das erste Mal Farbe auftaucht (und zwar in einer Ayahuasca-Traumsequenz), war ich absolut begeistert. Wie während des ganzen Films mit Bildern und Licht gearbeitet wird, ist absolut meisterhaft. Wunderschöne Aufnahmen treffen auf eine lehrreiche Geschichte, was will man mehr?

 

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