Marius’ Filmreise: “City of God” (2002)


City of God

Übersicht
Kinostart (DE):
00.00.0000
Dauer:
135 Minuten
Genre:
Drama, Krimi
Regie:
Kátia Lund / Fernando Meirelles
Wertung
10 / 10
City of God ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Mir fällt es schwer, ein schlechtes Wort über den Film zu verlieren. Ich kenne keinen Film, der so authentisch ist. Fast alle Schauspieler im Film sind Laien. Sechs Monate Improvisations-Workshop, das wars. Aber sie alle kommen aus den Slums Brasiliens, die Geschichte ist für sie Realität. Als Zuschauer merkt man das.

So wird man in eine Geschichte gezogen, die viele Hauptcharaktere hat. Ein paar Helden, ein paar Feinde. Helden, die der Kriminalität ihres Umfelds trotzen die versuchen gut zu bleiben, freundlich, gütig. Feinde, die korrupt sind, gewalttätig, Verräter – ganz normale Menschen, denen Regeln nichts mehr bedeuten. Nachbarn. Kriminalität ist immer präsent. Sie ist der einzige Ausweg, der den Bewohnern der City of God bleibt und das Element, das über Leben bestimmt.

Der Film greift zu außergewöhnlichen Mitteln um die vielen Geschichten zu erzählen. Ähnlich wie bei Tarantino haben die einzelnen Storys eigene Titel. Zeitsprünge und kurze narrative Ausflüge erklären Hintergründe – es kommt schon mal vor, dass man eine Szene drei Mal aus verschiedenen Perspektiven sieht. Die Kamera ist unruhig, so ist man immer mittendrin, nah am Geschehen. Der Film zeigt durch all diese Mittel meisterhaft die Zusammenhänge der einzelnen Geschichten und Aktionen.

Jedoch habe ich einen „Kritikpunkt“: Normalerweise finde ich, Originalsprachen sind ein Muss. Aber dieser Film ist so komplex, mit so vielen wichtigen Details im Bild, dass Untertitel vom Wesentlichen ablenken. Wenn man ihn das erste Mal sieht, würde ich tatsächlich die deutsche Fassung empfehlen – da spricht u.a. Xavier Naidoo mit und macht dabei keinen schlechten Job.

Wo Xavier Naidoo jedoch mit seiner Gesellschaftskritik in etwas komische Gefilde abgedriftet ist, bleibt dieser Film nah an der harten Realität. Keiner im Film beschwert sich über die Umstände. Das Leid wird akzeptiert. Die Korruption wird als gegeben angenommen. Unterschwellig ist der Film damit eine Riesen-Kritik an den Umständen Brasiliens. Das Ende des Films macht nochmal ganz deutlich, dass die Situation nichts Romantisches hat. City of God ist ein mutiger, wichtiger, überraschender, fast perfekter Film.

Kontext

Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten.
Der Film basiert auf einem Roman von Paulo Lins, in dem über 40 Geschichten aus der City of God erzählt werden.
Platz 21 der IMDB-Liste Top 250 Filme aller Zeiten.

Brasilianischer Film

Persönliche Erfahrung: Auf der Berlinale wurde ein brasilianischer Film (Quérenzia) vorgestellt, aber erst nachdem das komplette Filmteam im Kino mit Fahnen, erhobenen Fäusten und einer Rede gegen den aktuellen Präsidenten protestiert hat. Der Film war leider nicht gut.


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