Marius’ Filmreise: Adams Äpfel (2005)


Adams Äpfel

Übersicht
Kinostart (DE):
31.08.2006
Dauer:
94 Minuten
Genre:
Regie:
Wertung
9 / 10

Kontext

Zweite Zusammenarbeit von Regisseur Thomas Anders Jensen und Mads Mikkelsen nach „Dänische Delikatessen“.
Die Krähen im Baum sind echt, bereitgestellt von Züchtern aus Tschechien.
Wurde auch als Theaterstück adaptiert.

Dänischer Film

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtigste Filmproduktion Europas.
Aus Dänemark stammt Dogma 95. Unter anderem Lars von Trier legte hier strenge Regeln fest, wie ein Film gedreht werden soll. (z.B. Verzicht auf künstliche Beleuchtung, ausschließliche Benutzung von Handkameras, usw.)

Für Fans von…

Brügge sehen… und sterben?, Dänische Delikatessen

 

Zum Film

Mir wurde mal von einem ziemlich betrunkenen Dänen der Film „Dänische Delikatessen“ empfohlen, nachdem wir uns lange über den Bericht einer Fox News-Reporterin lustig gemacht haben, die glaubt, jeder in Dänemark hätte den Traum ein Cupcake-Café aufzumachen (https://youtu.be/pSFfTG42Jl8). Und siehe da, die Dänen können mehr als Cupcakes: Schwarzen Humor vom Feinsten nämlich. Die Delikatessen machten Appetit auf mehr und so stieß ich auf diese leckeren Äpfel Adams.

Satire ist es nicht, über Sarkasmus schon weit hinaus. Der Humor ist einfach nur… böse. Er trifft genau dort, wo er treffen soll. In einer Kirche werden Immigranten mit Nazis konfrontiert, Männer der Wissenschaft mit Wundern oder eben Apfelbäume mit Krähen. Jeder in diesem Film hat einen ziemlich ausweglosen Kampf mit der Welt auszutragen, der für Charakter und Zuschauer nur schwer zu ertragen ist. Aber eben doch ziemlich witzig. Wegsehen scheint die einzige Lösung zu sein. Währenddessen schaut man selbst umso genauer hin, der Film lässt einen fast schon Spaß am Leiden anderer haben.

Grob gesagt handelt die Geschichte von einem Nazi, der aus therapeutischen Zwecken einen Apfelkuchen backen soll. Klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber ein sehr guter. Mads Mikkelsen, mit Abstand mein Lieblings Bond-Bösewicht, spielt hier eine seiner besten Rollen. Er verleiht dem Film neben all dem Grotesken doch irgendwie eine Spur Menschlichkeit. Er verbindet all die widerlichen Charaktere und schafft es so, sogar eine unverhoffte Emotionalität in den Film zu bringen. Ich hatte doch so etwas wie Mitleid mit dem armen Priester Ivan.

In der ganzen Absurdität steckt im Endeffekt auch ein ernster Kern. Die Auseinandersetzung mit der biblischen Frage nach dem Grund für das Leid ist ganz sicher eine sehr ernste Angelegenheit. In diesem Film wird keine Antwort auf diese Frage gegeben. Ein Großteil der möglichen Antworten wird aber so treffend vorgeführt, dass man auch selbst zum Denken angeregt wird.

Für mich ist der Film eine der intelligentesten Komödien, die ich kenne. Und weil es hier immer noch um unsere Nachbarn im Norden geht und ich dieses Zitat unbedingt einbauen will: Etwas ist faul im Staate Dänemark! Adams Äpfel sind es ganz bestimmt (nicht)…

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