Wir starten meine Reihe mit einem riesigen Blockbuster: Mad Max: Fury Road (2015). Bevor wir mit dem heißen Thema starten erstmal ein paar Infos zum Film, um eurem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Mad Max: Fury Road ist der vierte Teil der Mad-Max Filmreihe. Tom Hardy ersetzt Mel Gibson als Protagonisten Max Rockatansky. 2016 bekam der Film sage und schreibe sechs Oscars. Zur Zeit ist er auf Netflix verfügbar.

Um was geht es?

In einer postapokalyptischen Welt flieht eine Gruppe Frauen aus den Fängen ihres Ehemanns mit Hilfe von Imperator Furiosa (Charlize Theron). Sie versteckt die Frauen in ihrem umgebauten Sattelschlepper. Die Flüchtlinge, darunter Splendid (Rosie Huntington-Whiteley) und andere Ex-Sklavinnen (Riley Keough, Zoë Kravitz, Abbey Lee, Courtney Eaton), sind dem Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) entkommen, der ihnen nun nachstellt – denn Frauen sind zur Ware geworden, wertvoll wie Wasser und Benzin. Die Konfrontation zwischen Immortan Joes Banden, seine Rivalen und den Flüchtlingen führt zu einem rasanten und sandigen Straßenkrieg.

Ich denke über Fury Road an sich muss man nicht viel sagen. Bild- und soundgewaltig, die Musik ist ein Traum, die Kamera besticht mit dynamischen Aufnahmen, die Schauspieler sind allesamt im hohen Niveau und die Stunts sind fast zu gut um wahr zu sein. Im Großen und Ganzen ist Mad Max: Fury Road ein Leinwandspektakel , dass sich sehen lässt und seine zehn Oscar Nominierungen mehr als verdiente.

Mad Max – Fury Roads Frauenbild

Das Frauenbild in futuristischen Filmen ist für mich immer besonders kritisch. Wenn ich Frauen in historischen Filmen sehen, dann kann ich mir beruhigt sagen „Gott sei dank haben sich die Zeiten geändert.“. Aber was hält die Zukunft, für uns Frauen bereit? Da bleibt nur große Ungewissheit, obwohl man eigentlich immer sagt, man hätte die Zukunft selbst in der Hand. Was passiert aber, wenn die Apokalypse ausbricht? Falls es zur Apokalypse a la Mad Max kommt, erwartet man von uns Frauen, dass wir in die altbekannten Rollen zurückfallen und zu „Brütern“ werden? Frauen die eingeschlossen werden, da ihr Uterus kostbare Fracht ist. Könnte man uns irgendwann so behandeln, wie wir es mit Kühen in der Massentierhaltung heute tun? Nur da zum Gebären und mit Geräten an der Brust geschnallt, die die Muttermilch melken? Dieses Frauenbild ist der komplette Kontrast zu dem, was ich mir für die Zukunft wünsche. Zugegebenermaßen ist das sehr extrem, aber meine Bauchschmerzen bleiben.

Der Film wurde für seinen Feminismus und seiner starken Hauptrolle gelobt. Die Rede ist nicht vom wortkargen Max, sondern von der (Achtung Wortspiel) furiosen Furiosa. Ich erwarte also eine knallharte Heldin („Badass“), die den Männern ordentlich zeigt wo der Hammer hängt. Furiosa sehen wir erstmals, als sie ihren Truck und die Begleitfahrzeuge auf eine andere Strecke lenkt, als eigentlich vorgesehen war. Kurz bevor sie den Truck von der Spur lenkt, bröckelte die zuvor geäußerte Annahme. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass es Überwindung kostet und sie ihren Mut zusammen nehmen muss. Wohl doch nicht so knallhart, dachte ich. Obwohl ihr Plan eigentlich ausgeklügelt und sie auch gut vorbereitet war, hatte sie trotzdem diesen Blick im Gesicht. Was soll uns das sagen? Danke, dass ihr fragt: Sie weiß ganz genau, welche Folgen das hat und was auf dem Spiel steht. Sie springt nicht blind ins Abenteuer wie manch anderer ihrer Kollegen. Aber zurück zur sich anbahnenden Verfolgungsjagd.

Wer hätte es geahnt, der Konvoi wird verfolgt als der Verrat auffliegt. Es wird viel geschrien und es explodiert unnatürlich viel. Im Kampf macht die Gute ihren Namen alle Ehre. Sie schießt, zerquetscht, überfährt und ersticht was das Zeug hält. Furiosa scheint es nicht zu wollen, aber für mich ist sie trotzdem ein Badass. Spulen wir vor zu dem Moment als Furiosa zum ersten Mal Max begegnet. Zur Erinnerung: Tom Hardy hängt vorne am Wagen dran, da er als Blutbeutel für einen der Warboys fungiert. Das Fahrzeug fährt auf Höhe des Führerhauses des Trucks und die zwei sehen sich das erste Mal. Die Ironie daran? Max hängt gefesselt und mit einem Maulkorb an einem kleinen Fahrzeug, während Furiosa einen riesigen Truck lenkt und in Gedanken schon den übernächsten Schritt plant. Der Mann, der gefesselt und mit Maulkorb versehen am Auto hängt und die Frau, die ihren Truck in die Freiheit lenkt. Also wenn das keine Ironie ist, dann weiß ich auch nicht.

Was macht Furiosa so besonders?

Eine gute Frage. Danke, dass ihr fragt. Sie ist berechnend, strategisch und tut was eben getan werden muss. Auch wenn das heißt Tom Hardy, den Kopf weg zu ballern. Das sind alles Eigenschaften die sehr gerne für das Handeln von Männern genutzt werden. Jetzt trifft das auf eine weibliche Heldin zu, die nur eines will: in die Freiheit. Fairerweise sei auch gesagt, dass die Rollenverteilung wohl für Furiosa nicht gelten. Sie scheint zwar die einzige Frau zu sein, die nicht als Sklavin gehalten wird, aber das könnte auch an Unfruchtbarkeit liegen. Außerdem ist auch anzumerken, dass man Charlize Theron den nötigen Raum lässt, um Furiosa stark und doch gleichzeitig verletzlich darzustellen. Charlize Theron lässt Sexismus für ihre Rolle überhaupt nicht zu. Zu keiner Zeit habe ich mir die Frage stellen müssen, ob dies oder jenes nur passiert, weil sie eine Frau ist. Sehr erfrischend wenn ihr mich fragt. Aber um euch und mich von dem hohen Ross wieder runter zu holen: Nichts ist perfekt und das Frauenbild ist es auch nicht. Verglichen mit anderen Filmen ist das aber schon meckern auf höchsten Niveau.

Wie war das mit dem fast perfekten Frauenbild?

Ein kleiner Dorn im Auge war mir die Darstellung der Sklavinnen die mit Furiosa flüchten. Sie haben schöne Haare, fast makellose Gesichter und weiße Kleider an. Nicht die beste Kleiderwahl für eine Flucht wenn ihr mich fragt, aber gut sie konnten wahrscheinlich nicht allzu wählerisch sein. Mir persönlich hätte die Szene, in der sie sich gegenseitig mit dem Schlauch abspritzen, nicht gefehlt, wenn man sie raus geschnitten hätte. Da wurden wir wohl kurz in die feuchten Träume eines Teenagerjungen gezogen. Zu allem Überfluss bahnte sich auch noch eine zum scheitern verurteilte Romanze an. Der zynische Teil in mir war sehr genervt, weil dieser Film auch sehr gut ohne die Romantik ausgekommen wäre. Die Rothaarige, zuvor starken Willens lebend raus zu kommen, wurde plötzlich sanftmütig und naiv. Sie findet einen der Warboys (Nicholas Hoult) auf dem Truck, sie berühren sich und schon ist der Funke übergesprungen. Naja ihr kennt das ja. Das war der Moment als ich zum ersten Mal das Handy gezückt habe. Während ich also eine Runde Tetris spielte, ist mir eingefallen, dass der Kontrast Romantik und Apokalypse für einige vielleicht ganz nett ist. Für mich hat es sich leider erzwungen angefühlt. Ich finde dass nicht jeder Film eine Lovestory braucht. Mir scheint es immer so, als würde man eine Liebesgeschichte erzwingen, weil man Angst hat, einen Teil des Publikums zu verlieren.

Hey Max möchtest du reden?

Bei so viel Frauenpower drängte sich mir dann irgendwann eine wichtige Frage auf: Hey Max wie geht es dir mittlerweile und wie sieht es denn eigentlich mit dem Männerbild in dem Film aus? Ehrlich gesagt, konnte ich Furiosa die kalte, berechnende Kämpferin nie so richtig abnehmen. Sie hatte immer noch eine gewisse Gutmütigkeit im Gesicht, selbst als sie dem Warlord Immortan Joe das Gesicht abreißt. Furiosa stand den gesamten Film Max gegenüber und konnte sein Level an Gleichgültigkeit nicht erreichen. Muss sie aber auch gar nicht. So sehr wie sich Furiosa emanzipiert hat, so sehr wurde Max in ein veraltetes Männerbild gedrängt. Emotional isoliert, erst machen dann denken, Ich-bezogen, schmerzfrei. Mehr haben wir von Max eigentlich nicht gesehen. Hier und da vielleicht noch ein Brummen. Ist Max wirklich so einseitig? Hat der Drehbuchautor es absichtlich so geschrieben und sollte der Film eigentlich Mad Max: Spotlight on Furiosa heißen? Erinnert ihr euch noch an die Nachtszene, als Max sich von der Gruppe entfernt und Furiosa fragt was sie tun sollen, wenn er nicht wieder zurück ist bis sie weiter fahren können? Max schaut sie verwirrt an und als wäre es das logischste auf der Welt, sagt er ihr dann solle sie halt weiter fahren. Furiosa reagiert darauf etwas emotional und will ihren Gefährten nicht zurück lassen. Mit meinen vorherigen Gedanken zu dem Männerbild fragte ich mich, ob hier nicht Furiosa ihren vermeintlich schwachen Moment hat, sondern Max? Ich meine wären wir nicht alle mit jemanden verbunden mit dem wir sowas durchstehen würden, der uns das Leben gerettet hat und andersrum? Das ist doch die normalste Reaktion auf der Welt. Wir sind nun mal keine emotionslosen Maschinen wie der gute Max. Ich würde ihn am liebsten zum Psychologen schleppen, der ihm erklärt, dass er nicht so sein muss wie er ist und wir Menschen auch nicht dafür gemacht sind.

Eine vielseitige, unperfekte Heldin

George Miller hat uns kein perfektes „Badass“ geschenkt, die mit Absatzschuhen, perfekten Make-up und einem Augenzwinkern, dem männlichen Protagonisten die Show stielt. Nein, er hat uns viel mehr geschenkt. Eine Frau die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und die auch mutig genug ist uns ihre verletzliche Seite zu zeigen, ohne an Anerkennung zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Sie wirkt dadurch noch viel stärker und unberechenbarer. Furiosa wird realistisch dargestellt. Wenn ich von realistisch rede, dann meine ich abgebrochene Fingernägel, Schweiß und Dreck. So wie sich das gehört in einer Wüste.  Max und Furiosa ergänzen sich gegenseitig, obwohl sie es irgendwie auch ohne einander geschafft hätten. Sie haben sich aber gefunden und konnten dem Tyrann zeigen, wo der Hammer hängt. Für mich ist sie ein bemerkenswertes und starkes Vorbild des Feminismus.

Aber liebe Männer, vielleicht müsst ihr das auch mal hören: nehmt euch lieber Furiosa zum Vorbild, als Max. In unserer Welt würde er vermutlich komplett vereinsamen. Sollte die Apokalypse kommen und solche Leute wie Max werden benötigt, dann sag ich euch Bescheid. Keiner sollte solch toxischen Charakterzüge als non plus ultra ansehen oder Neid verspüren. Das kann nur (Achtung ein finales Wortspiel) in die Hose gehen.

By Katja

Egal ob Filme, Serien oder Musik: Katja liebt das Eintauchen in eine andere Welt und das Storytelling. Besonders David Fincher und Christopher Nolan haben es ihr angetan, deren Filme sie auch gerne mehrmals im Kino sieht. Eigentlich schaut sie alles quer Beet, meistens bleibt sie allerdings im Mainstream Bereich Etwas was sie allerdings gerne umgeht: Filme mit einem absehbaren Happy End.

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