IMDb Top 250: Platz 95 – Inglourious Basterds (2009)


Inglourious Basterds

Übersicht
Kinostart (DE):
28.07.2009
Dauer:
153 Minuten
Genre:
Action, Drama
Regie:
Quentin Tarantino
Wertung
9 / 10

Weiter geht es mit einem weiteren Quentin Tarantino Film. Diesmal schaue ich mir den deutschesten Film des Kult-Regisseurs an, sowohl was Drehort als auch Besetzung und Thema angeht. Ich versuche für gewöhnlich auf Spoiler zu verzichten, aber diesmal geht es leider nicht anders. Also, nicht weiterlesen, wenn ihr “Inglourious Basterds” noch nicht kennt.

Die Handlung in einem Satz: Frau will Rache und nimmt sie sich.

Was für ein merkwürdiger Film! Eins vorweg: er funktioniert! Ich weiß nicht wie, aber er funktioniert. “Inglourious Basterds” ist wie das Hummel-Paradoxon. Eigentlich zu fett zum fliegen, aber es klappt doch irgendwie. Warum? Sehr gute Dialoge, viel Spannung, Charaktere, die vielleicht nicht sympathisch, aber definitiv charismatisch sind und tolle Musik.

Aber zu den Merkwürdigkeiten. Was für ein Genre soll das sein? History-Fanfiction? Ich weiß, es gibt Filme und Serien, die in anderen Realitäten spielen (“The Man in the High Castle” und “Vaterland” um nur zwei sehr ähnliche zu nennen). Aber das sind Geschichten, die davon ausgehen, dass etwas anderes passiert ist (zb. die Nazis gewinnen den 2. Weltkrieg) und eine fiktive Welt danach zeigen. Bei “Inglourious Basterds” zeigt Tarantino nicht wie die Welt gewesen wäre, wenn etwas anderes passiert wäre, denn soweit kommen wir gar nicht. Hier geht es nur um einen fiktiven Anschlag, der nie passiert ist und der keine wirkliche Auswirkung hat, da nur der Zuschauer selber sich weiter ausdenken kann, wie die Welt sich danach verändert hätte, da der Film wenige Minuten danach bereits zu Ende ist.

Grundsätzlich klingt das komplett bescheuert und wie die Rachefantasie eines Jugendlichen. Aber Quentin Tarantino ist vermutlich auch nicht mehr als ein Jugendlicher im Körper eines mittlerweile fast schon alten Mannes. Das meine ich nicht negativ, ich bin selber nur teilweise erwachsen und habe auch nur bedingt vor daran jemals etwas zu ändern. Wie langweilig wäre das denn auch?

Rache ist sowieso Tarantinos großes Thema Anfang der 2000er gewesen. In “Kill Bill” dreht sich alles darum (ich werde den Review dazu bald nachreichen, ich versprech’s) und auch in “Django Unchained” ist das das große Thema. In all diesen Filmen lebt Tarantino seine Rachefantasien aus und man fiebert als Zuschauer mit und hofft auch, dass es klappt, schließlich trifft es in allen Filmen (in “Kill Bill” vielleicht noch am wenigsten) die schrecklichsten fiktiven und realen Menschen.

Aber selbst die Besetzung des Films ist eigenartig. Gerade für uns in Mitteleuropa, die wir deutschsprachiges Fernsehen und Popkultur kennen, ist es sehr interessant, wer in diesem Film alles an der Seite von Hollywoodstars wie Brad Pitt und Michael Fassbender mitwirkt. Christoph Waltz ist klar, der ist mittlerweile ja selber einer, Diane Kruger sowieso. Aber Til Schweiger (seine beste Rolle überhaupt?), Gedeon “das 2. Herrchen von Kommissar Rex” Burkhard, Jana Pallaschke alias “Ist das nicht die Stripperin aus ‘Fack ju Göthe’?”, Bela B. von den Ärzten, etc.

Auf der englischsprachigen Seite ist die Besetzung ähnlich eigenartig. Mike Myers (alias “Austin Powers”) spielt einen General, BJ Novak ist einer der “Basterds” und ich kann ihn trotzdem immer nur als Ryan aus “The Office” sehen, und Horror-Regisseur Eli Roth (“Hostel”), bei dem ich nachgucken musste, ob er davor oder danach jemals wieder in einem Film eine Rolle hatte, die mehr als ein Cameo war, spielt den “Bear Jew”.

Egal, in welcher Fassung man den Film sieht, man darf definitiv einiges an Untertitel lesen, da der Film gefühlt zu jeweils einem Drittel auf deutsch, englisch und französisch ist. Oh, und ich vergaß beinahe die herrliche Szene auf italienisch – also noch mehr Sprachen-Wirrwarr.

Tarantino ist bei diesem Film in jeglicher Hinsicht so viel Risiko gegangen, dass man im Voraus eigentlich eine Vollkatastrophe erwarten musste und doch funktioniert alles blendend. Die Schauspieler haben alle offensichtlich viel Freude in ihren Rollen. Christoph Waltz mit einer großartigen Vorstellung, aber auch August Diehl kann in seiner unendlich hassenswerten Rolle glänzen. Aber auch der Rest macht seine Sache super. Einzig um Brad Pitts Kiefer habe ich mir Sorgen gemacht. Nicht seit Brando in “Der Pate” habe ich einen so komisch nach vorne geschobenen Unterkiefer gesehen.

Alles in allem, mag ich den Film sehr. Er ist sogar mein Lieblingsfilm von Quentin Tarantino: Drehbuch, Musik, Schauspieler, alles passt! In den Worten von Hans Landa: “Das ist ein Bingo!”

Interessante Trivia: Christoph Waltz gewann den Oscar für seine Rolle in dem Film. Das war das erste Mal, dass ein Schauspieler einen Oscar für einen Tarantino Film bekam.



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