Beowulf ist eine der bekanntesten skandinavischen Heldengedichte. Allerdings wurde er erst relativ spät auch verfilmt. Die Geschichte des Helden kann auf mehrere Arten und Weisen interpretiert werden, auch wenn die Grundhandlung gleich bleibt. Beowulf bedeutet höchstwahrscheinlich Bienenwolf, eine andere Bezeichnung für Bär.

Das Heldenepos Beowulf handelt vom gleichnamigen Helden, der mit seinen 12 Gefährten nach Dänemark zu König Hrothgar reist. Die Halle des Königs wird nachts vom Ungeheuer Grendel heimgesucht. Beowulf verspricht, das Monster zu erlegen. In zwei Kämpfen verletzt er Grendel zuerst, und tötet es in weiterer Folge. Im weiteren Verlauf muss Beowulf auch Grendels Mutter, die Moorhexe, in ihrem Versteck ermorden. Im zweiten Teil des Gedichtes fällt der mittlerweile zum König ernannte Beowulf im Kampf gegen einen Drachen.

Zukunft ist Vergangenheit

Abgesehen von einer Folge in „Star Trek: Voyager“ in 1995 wurde das Epos erstmals 1999 verfilmt, und das gleich zweimal. Zunächst wurde die Geschichte in eine postapokalyptische Fantasy-Zukunft gebracht. In „Beowulf“ spielt Christopher Lambert den weißhaarigen Halbdämon Beowulf, Dieser kommt zur Festung von König Hrothgar. Während der König Besuch von einer heißen Dämonin (Layla Roberts) bekommt, treibt deren Sohn, das Monster Grendel, sein Unwesen in den Gängen, und tötet alles und jeden. Beowulf kann es aufhalten und töten, beschwört aber daraufhin nur den Zorn der Dämonin herauf. Schlussendlich muss er sich seiner eigenen dämonischen Seite (und einem sehr schlimmen CGI-Monster) stellen, damit er und die Königstochter Kyra (Rhona Mitra) überleben können.

Ganz anders verhält es sich mit der Michael Crichton-Verfilmung „Der 13. Krieger“. Hier wird die Beowulf-Sage als historisches Epos bodenständig erzählt. John McTiernan führte Regie, die Reshoots übernahm Crichton. Das Projekt befand sich sehr lange in der Produktion.

Der Film wird aus der Sicht des 13. Kriegers aus den Gefolgsleuten von Bulwai (Vladimer Kulich) erzählt, Ahmed Ibn Fahdlan (Antonio Banderas). Dieser reist mit den Nordmännern in deren Heimat, weil König Hrothgar sie im Kampf gegen die Wendol um Hilfe bittet. Der Film verwendet zwar nicht die Namen aus dem Heldenlied, aber die Motive sind klar erkennbar. Die Wendol und deren Anführer sind wilde kannibalistische Bestien, laut der Buchvorlage Nachfahren der Neanderthaler. Die „Mutter“ der Wendol ist eine schamanische Hexe – im Buch und McTiernans Version eine alte Frau, bei Crichtons Reshoots wurde diese gegen eine jüngere Schauspielerin recastet; und die Wendol greifen gern als „Feuerschlange“ an. Unter der Regie von John McTiernan werden epische Schlachtsequenzen inszeniert, und die Geschichte wird fern von Fantasy-Mythen erzählt.

Schuld und Sünde

2005 erfolgte die nächste Verfilmung des Heldenliedes. In „Beowulf & Grendel“ jagt Gerard Butler den Hünen Grendel, der Hrothgars (Stellan Skarsgard) Königreich bedroht. Unterstützt von der Hexe Selma (Sarah Polley) kommt er hinter ein schreckliches Geheimnis: Grendel ist auf Rache aus. Denn Hrothgar hat einst seinen Vater ermordet. Und Beowulf ist in diesem Teufelskreis gefangen, denn auch er droht, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Violence begets violence.

2007 folgte dann eine Fantasy-lastige Hollywood-Verfilmung von Robert Zemeckis. Die Schauspieler wurden mittels Motion Capturing eingefangen, und an ihre Figuren angepasst. Der Star-besetzte Animationsfilm „The Legend of Beowulf“ folgt sehr genau dem Heldenlied, fügt aber auch eigene dramaturgische Kniffe hinzu. So geht es thematisch um Heldentum und dessen Verfall. Vor allem, wie (toxische) Maskulinität zum Ruin führt. Denn Beowulf (Ray Winstone) ist ein strammer Recke, der keine Heldentat auslässt, und keine Möglichkeit, noch mehr Ruhm zu erlangen. So wird seine Schlacht gegen zwei Seeschlangen während einer stürmischen Überfahrt ausführlich gezeigt. Auch, dass er Grendel (Crispin Glover) in Hrothgars (Anthony Hopkins) Hall völlig nackt gegenübersteht, zeugt von dessen Übermut. Und gerade dieser Übermut führt zu seinem Untergang. Als er dann aber Grendels Mutter (Angelina Jolie, deren Körper von Rachel Bernstein gedoubelt wurde) gegenübersteht, verfällt er ihrer sexuellen Verführung und ihrem Versprechen von Ruhm und Ehre.

Der Film ähnelt dadurch auch sehr stark der Christopher Lambert-Version, insofern als sich Grendel als Sohn von Hrothgar der Sohn von Hrothgar entpuppt, der seinen Vater quält. Und auch Beowulf soll Besuch von seinem illegitimen Sprössling bekommen.

Das Monster, das zur Erde fiel

Die letzte relevante Filmversion von Beowulf stammt aus dem Jahr 2008. „Outlander“ handelt von einem außerirdischen Humanoiden (James Caviezel), der im frühmittelalterlichen Norwegen bruchlandet, und die menschliche Bevölkerung (u.a. John Hurt, Sophia Myles und Ron Perlman) vor einem ebenfalls außerirdischen Monster bewahren muss. „Outlander“ ist auch der erste Film, der die Sprache Altnordisch verwendet, eine Vorreiter-Sprache von isländisch. Dafür hat Regisseur Howard McCain mit einem isländischen Sprachwissenschaftler zusammengearbeitet, der mit ihm das Drehbuch übersetzt und die Schauspieler gecoacht hat.

Winterschlaf der Helden

Im Jahr 2016 lief noch eine kurzlebige Beowulf-Serie, ansonsten wurde es wieder still um den Helden. Es warten aber sicher noch weitere Interpretationen des Helden, um auf die Leinwand oder die Bildschirme gebracht zu werden. Denn Helden sterben, Legenden leben ewig.

By Bernhard

Seit frühester Kindheit ein Fan und Liebhaber von Filmen und Serien jedweder Art, setzt Bernhard alles daran, um sein Wissen und seine Fähigkeiten in diesem Metier zu vergrößern und zu verfeinern. Als wandelndes Filmlexikon zieht der Österreicher durch die Lande, um den Menschen Neuigkeiten über das cineastische Treiben kundzutun.

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