Ich bin hin und her gerissen. Natürlich ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn einem Lieblings-Franchise aus der Kindheit neues Leben eingehaucht wird. Noch bis vor ein paar Wochen hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, dass Netflix an einer Live-Action Neuverfilmung der Cartoon-Serie „Winx Club“ arbeitet. Beim ersten Trailer fiel ich aus allen Wolken und war sofort neugierig. Das erste Material versprach eine erwachsene, düstere Interpretation der kunterbunten Glitzer-Serie. Und warum auch nicht? So könnte man mit der Serie nicht nur die Fans, sondern eventuell auch ein ganz neues Publikum erreichen. Ich war auf jeden Fall bereit für die Serie und sah mir die sechs circa einstündigen Folgen innerhalb von zwei Tagen an.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich bin hin und her gerissen. Einerseits freue ich mich natürlich, dass es neue Geschichten aus einem mir am Herzen liegenden Universum gibt. Doch aus irgendeinem Grund hat mich die Serie nicht wirklich glücklich zurückgelassen. Klar, es ist eine solide, sehr typische Netflix Fantasy-Serie die in die Zeit passt. Ähnlichkeiten zu „The Chilling Adventures of Sabrina“ oder „Riverdale“ sind kaum zu übersehen. Es gibt Magie, es gibt ungelöste Geheimnisse und es gibt eine großzügig eingestreute Prise Romantik. Aber so viel ist von meiner einstmals geliebten Cartoon-Serie nicht mehr übrig. Sicher, vieles aus dem Cartoon würde sich nur schwer in Live-Action umsetzen lassen, ohne albern zu wirken. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass hier zwar Winx draufsteht, aber kaum Winx drin ist.

Was passiert in der Serie? Bloom ist sechzehn Jahre alt, hat erst vor kurzer Zeit herausgefunden, dass sie eine Feuerfee ist und besucht jetzt die Feenschule Alfea, um ihre Kräfte besser kennenzulernen. Dort teilt sie sich eine kleine Wohnung mit vier anderen Mädchen: Stella, Musa, Terra und Aisha. Die sind echte Vollblutfeen, während Bloom sich mit ihrer neuen Identität noch anfreunden muss. Doch Alfea wird nicht nur von Feen besucht, sondern auch von den sogenannten Spezialisten, gut gebauten Teenagern, die zu Kämpfern ausgebildet werden. Neben ganz viel Teenagerdrama gibt es eigentlich zwei zentrale Themen: Bloom versucht, das Geheimnis um ihre Herkunft zu lüften, während gleichzeitig seltsame Monster (die Verbrannten) den Schülern und Lehrern aus Alfea das Leben schwer machen. So weit, so kurz.

Was ich an der Neuauflage gut finde: Feen sind nicht immer nur Mädchen und Spezialisten sind nicht immer nur Jungs, sondern alles ist wild gemischt. Gut so. Wenn ich mich richtig erinnere, war das in der Cartoon-Serie anders. Tja, und das war es dann auch schon fast. Was mich an der Neuauflage stört: Hallo, wer ändert denn einfach die Hauptbesetzung? Der originale Winx Club besteht aus den sechs Feen Bloom, Musa, Stella, Tecna, Flora und Layla. Ok, Layla hat einfach einen neuen Namen bekommen: Aisha. Meinetwegen. Aber zwei Charaktere der Hauptfiguren komplett zu streichen? Während Tecna die Technikfee komplett wegfällt, wird Flora einfach durch einen Charakter namens Terra ersetzt, die eigentlich genau dieselben Fähigkeiten hat. Wozu das denn? In einer Szene erwähnt Terra nur einmal kurz eine Cousine namens Flora. Und Musa ist nicht mehr, wie ihr Name andeutet, die Fee der Musik, sondern eine Gefühlfee. Alles klar. Und warum sind die fiesen Trix alle in einer einzigen Figur (Beatrix) vereint? Hatte Netflix nicht genug Budget für mehr Schauspieler?

Dann kommt noch das Whitewashing dazu. Der originale Winx Club war gerade deshalb so toll, weil hier ganz diverse Charaktere zusammenkamen. Beinahe jeder konnte dort eine Identifikationsfigur entdecken. Doch in „Fate: The Winx Saga“ ist Musa keine Asiatin mehr und Latina Flora fehlt wie gesagt ganz und ist von der weißen Terra ersetzt worden. Gut, man kann argumentieren, dass Terra als fülligere Figur wenigstens endlich mal vom typischen Schönheitsideal der Filmindustrie abweicht. Dafür sind die anderen Feen aber gleichbleibend normschön, sodass Terras Einsatz als kurviger Charakter viel zu gewollt wirkt. Und es gibt keine Verwandlungen und auch keine Flügel. Nur Bloom darf in den letzten Zügen für kurze Zeit die Ahnung eines Flügelpaares tragen. Hoffentlich wird das in nachfolgenden Staffeln noch etwas ausgebaut – wenn es denn noch weitere Staffeln geben wird.

Ihr seht, mich stört ganz schön viel an der Serie. Vielleicht muss ich mich einfach von meiner Vorstellung des Winx Club lösen und etwas offener sein. Ich werde es versuchen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es einen Grund hat, warum das Franchise so lange Zeit beliebt war und Kinder sich auch heute noch die alten Folgen ansehen. Sich ein altes Projekt einzuverleiben, es komplett auszuhöhlen und mit einer riesigen Portion 0815 zu füllen, hat noch nie gut funktioniert. Zumindest meiner Meinung nach. Ich setze große Hoffnungen in etwaige nachfolgende Staffeln und wünsche mir, dass darin etwas mehr Winx-DNA zu finden ist. Eine letzte Frage noch: Wenn alle Feen in der Feenwelt Smartphones haben, wer ist dann ihr Handyanbieter?

By Sophia

Sophia ist nicht nur Serienliebhaberin, sondern rennt auch immer sofort ins Kino, wenn der Geldbeutel es zulässt. Seit ihrer Kindheit sind Filme ein wichtiger Teil ihres Lebens und das hat sich bis heute nicht geändert. In ihrer Freizeit liest sie Bibliotheken leer und versucht der beste Pokémon-Trainer zu werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.