Dredd – Das Gesetz der Comicadaption

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Vor 25 Jahren erzürnte eine Comicverfilmung die Leserschaft desselbigen, trotz bzw gerade wegen Hollywood-Beteiligung. Ein Reboot sorgte für Aufsehen, konnte aber nicht den gewünschten Erfolg einbringen. Dies ist die Geschichte von „Judge Dredd“.

“I am the Law!”

Nach der Apokalypse sind weite Teile der Welt vernichtet und unbewohnbar. Die Bevölkerung hat sich in mehreren Mega Cities zusammengeschlossen. Da die Kriminalitätsrate deutlich gestiegen ist, wurden die sogenannten Judges einberufen. Gesetzeshüter, die sowohl Polizisten, Richter als auch Henker sind. Und der Berüchtigtste unter ihnen ist Judge Dredd (Sylvester Stallone), eine stoische Kampfmaschine, der sich selbst für das Gesetz hält. Doch er wird verraten und ins Gefängnis geworfen. Währenddessen plant sein ehemals bester Freund/ Klon-Bruder Rico (Armand Assante) einen Putsch und eine Neuordnung des Gesetzes, nach seinem Abbild.

Humor > Gewalt

Der Film basiert auf der britischen Comic-Reihe „2000 AD“ von John Wagner und Carlos Ezquerra. Danny Cannon wurde nach langem Hin & Her als Regisseur verpflichtet. Der Filmemacher war auch ein großer Fan der gewalttätigen Comics, und wollte seine Version so getreu wie möglich auf die Leinwand bringen. Daraus sollte nichts werden. Zunächst wurden einige gewalttätige Szenen entschärft um auf ein R-Rating zu kommen. Das Studio und Hauptdarsteller Stallone wollten zudem den Film lustiger machen, um ihn PG-13 und somit zugänglicher zu machen. Nicht nur wurde einiges an Gewalt entschärft, es wurde auch viel Humor hinzugefügt während der Nachdrehs, bei denen Berichten zufolge Cannon nicht anwesend war. Der Film wurde dadurch zu einem typischen Actionfilm der Mitt-90er, die sich zu einem Großteil wie 80er Jahre Actionfilme anfühlten.

Helmi ist nicht da.

Die größte Sünde des Films, und der Grund, warum Fans auf die Barrikaden gingen, war die Tatsache, dass Dredd seinen Helm abnimmt. In den Comics tat er das nur einmal, und selbst dann wart sein vernarbtes Gesicht mit einem Zensurbalken bedeckt. Im Film trägt Stallone den Helm für gefühlte 5 Minuten, die restliche Zeit geht er oben ohne. Und selbst dann ist es auch oft ein Stuntman auf dem Motorrad. Auf der einen Seite ist es schon klar, denn kein Studio will, dass sein profitabelster Star nicht zu sehen ist. Auf der anderen Seite ist hier auch ersichtlich, dass die Geldgeber keinerlei Ahnung von dem adaptierten Material hatten.

Action mit Slo-Mo-Einfluss

2012 folgte ein Reboot, diesmal mit Karl Urban (Der Herr der Ringe, Star Trek) in der Hauptrolle. Pete Travis übernahm die Regie, und Alex Garland schrieb das Drehbuch. Dredd und Rookie Judge Anderson (Olivia Thirlby) werden bei einem Routineeinseitz in einem Wohnkomplex eingeschlossen, der von Drogenboss Ma Ma (Lena Headey) geführt wird. Auf sich allein gestellt, müssen sich die beiden bis ganz nach oben durchkämpfen, um Ma Ma auszuschalten.

Eines gleich vorweg: Diesmal bleibt der Helm die ganze Zeit oben. Damit ist der Film schon einmal um 80% näher an der Comicvorlage. Auch der Gewaltlevel hat sich erhöht. Der Bettler am Engang des Komplexes, dem Dredd die Warnung zugröhlt, er solle verschwinden, tut dies auch, nämlich als die Eingangstore ihn zerquetschen. Der Film erlaubt sich auch einige visuelle Finessen, insofern als dass die Auswirkungen der Droge „Slo-Mo“ wirklich in Slow-Motion gezeigt werden.

Intimes Worldbuilding

Ein gewaltiger Unterschied zwischen den beiden Versionen besteht darin, dass „Judge Dredd“ eine größere Geschichte über diese Welt erzählt, und „Dredd“ eine Geschichte in dieser Welt. Das Setting in dem eingeschlossenen Gebäudekomplex schafft eine intime Erzählung, wodurch gleichzeitig aber auch das World-Building umso größer wirkt. Außer dem, was uns in „Judge Dredd“ erzählt wird, wissen wir nichts über die Welt und die Gesellschaft. Im 2012er Film erleben wir diese Gesellschaft.

Judge Raid

Der Erfolg sollte sich dennoch nicht einstellen. Viele erwarteten sich einen ähnlich stupiden Film wie den von 1995. Andere haben nicht viel wegen des Marketings mitbekommen. Ein weiterer Grund für den geringen Erfolg war vermutlich auch das Timing des Filmes. Einige hielten ihn nämlich für ein Rip-Off bzw eine Nachmache eines Filmes, der ein halbes Jahr vorher rausgekommen ist: Gareth Evans‘ „The Raid“. In dem indonesischen Martial Arts-Action-Thriller stürmt eine Polizeieinheit ein Gebäudekomplex, um einen Drogenboss festzunehmen. Der setzt jedoch ein hohes Kopfgeld auf die Gesetzeshüter aus, und jeder in dem Gebäude will es haben.

Es war wirklich unglückliches Timing, dass beide Filme zur selben Zeit entstanden und herausgekommen sind. Beide sind nämlich großartig und sollten gleichermaßen gesehen werden. „Dredd“ ist eine wunderbare Umsetzung des Comics, und erlebt hoffentlich auch bald eine Fortsetzung, wenn auch vielleicht in Serienform.

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