Die Top-50-Filme des letzten Jahrzehnts: Platz 8

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Weiter geht es mit Platz 8! Davor aber wieder einmal der Hinweis, dass es nicht unser Anliegen ist eine allgemein gültige Liste zu erschaffen und und bewusst ist, dass ihr wahrscheinlich eine andere Platzierung im Kopf habt. Selbst innerhalb der Redaktion bewerten wir Filme nach vollkommen unterschiedlichen Maßstäben. Wir geben hier daher lediglich unsere eigene, zusammengeworfene Meinung wieder. Weitere Informationen dazu, wie wir die Liste zusammengestellt haben und wie ihr einen Beitrag zur Community-Liste leisten könnt, findet ihr in unserer Einleitung!

Platz 8: “Joker”

Daniel: “Joker war für mich persönlich kein Film, den ich mir ursprünglich anschauen wollte. Ein Charakter, der mich bisher in keinem Batman-Film, Spin-off oder Sonstigem wirklich interessiert hat, auch wenn ich die Umsetzung von Heath Ledger wirklich gut fand. Eine Freundin hat mich dann dazu überredet, ihn mir mit ihr anzusehen und dann wurde er zu einem der besten und berührendsten Filme, die ich jemals gesehen habe. Als jemand, der selbst seit langer Zeit unter psychischen Problem leidet, bin ich immer skeptisch, wenn dieses Thema in Filmen behandelt wird. Häufig sind es Klischees, romantisierte Vorstellungen und einfach nur unrealistische Bilder, die einen Film ausmachen, der sich um dieses Thema dreht. Die typische Hollywood-Darstellungen von der „romantisierten“ Depression oder auch die Wunderheilung, die diverse Traumapatienten erfahren, nur weil sie die große Liebe finden, machen mich langsam wirklich krank. Joker hat mich dahingehend sehr überrascht. Joker zeigt die Vorgeschichte eines Menschen, der vermutlich diverse Persönlichkeitsstörungen und psychische Krankheiten über die Zeit seines Lebens entwickelt hat. Sie zeigt, wie ein einfacher Mann wieder und wieder vom System enttäuscht und im Stich gelassen wird und damit zu einer tickenden Zeitbombe wird.

Der Film beweist immer wieder, dass einfache Menschen durch eine Abfolge von Schicksalsschlägen völlig aus den Fugen geraten können. Dass man es nicht jedem direkt anmerkt und dass jeder Einzelne, mit dem Arthur Fleck in Kontakt steht, einen Einfluss auf ihn hat – Im positiven wie auch im negativen Sinne. Der Film zeigt einen Menschen und seine Geschichte im Mittelpunkt. Es gibt keinen übergeordneten Plot, keine riesige Geschichte, es ist einfach nur der Zoom auf die Entwicklung eines Menschen während das Leben ihn immer und immer wieder enttäuscht. Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an Joaquin Phoenix aussprechen. Seine Performance war einfach nur oscarreif in meinen Augen. Seine Dialoge, Monologe, seine inneren Konflikte und einfach alles, was er auf die Leinwand gezaubert hat, war einfach nur ein Meisterwerk. Der Film war seit Jahren der Erste, der mir beim Schauen Tränen in die Augen ge“zaubert“ hat, denn ich konnte so gut mit Fleck fühlen wie zuvor noch mit keinem Charakter in irgendeinem Film. Man konnte seinen Hass, seine Wut, seine Trauer, all seine Emotionen sehen, verstehen und fühlen und aufgrund dieser Tatsache und einem sehr erwachsenen und nicht-klischeehaften Umgang mit einem der komplexesten Themen, die die moderne Wissenschaft kennt ist der „Joker“ für mich persönlich einer der besten, wenn nicht sogar der beste Film dieses Jahrzehnts.

©Warner Bros.

Marius: “Für mich viel zu overhyped und zu Unrecht in dieser Liste so hoch eingestuft. Ich will erst mit dem anfangen, was mir gut gefallen hat: Joaquin Phoenix. Oscarwürdige Performance, ohne Frage. Er spielt den Verrückten Clown brillant. Nicht böse, sondern traurig, zeichnet er ein Bild von einem Monster, das die Gesellschaft geschaffen hat. Er trägt den Film, durch ihn ist der Film so erfolgreich. Aber diese Ausnahmeperformance trügt über einige Dinge hinweg, die den Film für mich aus der Top 10 des Jahrzehnts ausschließen. Mein größter Kritikpunkt: Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes am Rande der Gesellschaft, der nichts als Demütigung erfährt und dessen Reaktion darauf Wahnsinn ist – und er erzählt diese Geschichte gut. Aber hätte man einfach von irgendeinem Mann erzählt – sie wäre sehr viel besser gewesen. Warum nimmt man sich also die Figur des Jokers und entreißt sie jeglichem Kontext?

Für mich wurden gewisse Erwartungen deshalb einfach nicht erfüllt oder enttäuscht. Zum Beispiel hat der ganze Wayne-Subplot den Fluss des Films unterbrochen. Man hätte einfach Batman-Bezüge auslassen sollen und sich auf das konzentrieren, was den Film ausmacht. Dem Film fehlen Überraschungsmomente. Fleck ist von Anfang an ziemlich wahnsinnig. Die einzige Entwicklung ist, dass er anfängt zu morden. Das ganze Drumherum ist ziemlich konstruiert. Die eingebildete Frauengeschichte und die Aufstände waren einfach unglaubwürdig.  Joker hat außerdem nicht die psychologische Tiefe, die einige Menschen ihm zusprechen – meiner Meinung nach wird im Film keine Seele ergründet, sondern einfach nur ein gebrochener Charakter gezeigt. Irgendwann habe ich mal einen Vergleich mit Taxi Driver gelesen. Zu keiner Stelle erreicht der Film die Ebene einer wahren Charakterstudie. Ich fand den Film gut, nur nicht als Joker-Geschichte. Ich hoffe dennoch, dass Phoenix seinen Oscar bekommt und vor allem, dass dieser Film kein Sequel erhält.”

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