Der Fluch der neuen Mutanten (Rezension): „The New Mutants“ (2020)

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Der Film muss wohl verflucht sein. Traurig, aber wahr. Was zunächst wie ein Silberstreifen am Horizont des X-Men Franchise aussah, wurde von einer gehörigen Portion Filmstudio-Hin-und-Her zunichte gemacht. „The New Mutants“ hatten es wirklich nicht leicht. 2017 angekündigt, sorgte der erste Trailer des dreizehnten (und letzten) X-Men Films von 20th Century Fox für Aufsehen. Nicht nur war die Stimmung des Trailers kaum mit den bisherigen X-Men Filmen zu vergleichen, sondern er versprach auch eine spannende Genremischung. Die Fans waren mehr als begeistert und warteten gespannt auf den Film. Wie lange sie würden warten müssen, konnte damals noch keiner ahnen.

Ursprünglich sollte die Geschichte der „New Mutants“ im Frühjahr 2018 in die Kinos kommen. Doch da Fox sich zu dieser Zeit schon in Übernahme-Gesprächen mit Disney befand, wurde der Film erst einmal verlegt – um ein Jahr. 2019 aber war der Fox-Deal mit Disney komplett und das House of Mouse wollte sich erst einmal einen Überblick darüber verschaffen, was sie da eigentlich alles gekauft hatten. Schon wurden die „New Mutants“ auf unbestimmte Zeit verlegt und die Fans wurden langsam ungeduldig. In der Zwischenzeit sichtete Disney den Film und war ganz und gar nicht begeistert. Denn der Film von Josh Boone, der den klassischen Superheldenfilm mit Horrorelementen mischte, passte so gar nicht zum Mäusekonzern.

Und hier fingen die Probleme erst richtig an. Disney beschloss, den Film in seinen riesigen Archiven verschwinden zu lassen. „The New Mutants“ wären also beinahe eine urbane Legende geworden. Wäre da nicht das offensichtliche Interesse des Kinopublikums. Disney ließ sich überzeugen, den Film doch noch herauszubringen, aber natürlich nicht, ohne vorher einmal die Cutter-Schere anzusetzen. Zum Leidwesen des Films. Das Studio schnitt so lange herum, bis sie zufrieden waren und gaben den Film frei. Ab 16 war er trotzdem noch. Dann grätschte Corona Anfang 2020 die Filmindustrie einmal heftig um und es ging gar nichts mehr. Ihr seht schon: Der dreizehnte X-Men Film ist passend zu seiner Nummer wirklich verflucht.

Mit der Wiedereröffnung der Kinos war es nun endlich so weit. „The New Mutants“ durften über die Kinoleinwände fetzen. Denn hohe Erwartungen hatte Disney sowieso nicht mehr an ihn. Und die Fans mittlerweile auch nicht mehr. Schade, aber so ist es. Im Internet häuften sich die negativen Kommentare und kaum einer wollte den Film noch sehen. Denn die Qualität des zwölften X-Men Films „Dark Phoenix“ und die Disney-Schnippelei stimmten die Fans mehr als negativ. Aber ist der Film wirklich so schlecht, wie viele es behaupten, ohne ihn überhaupt vorher gesehen zu haben?

Worum geht es überhaupt? Die junge amerikanische Ureinwohnerin Danielle Moonstar verliert ihre Verwandten und Freunde, als ihr Reservat eines Nachts angegriffen wird. Sie wird ohnmächtig und erwacht in einer Art Krankenhaus wieder. Obwohl das ganze eher wie eine Irrenanstalt aussieht. Dort werden sie und vier andere Jugendliche von der Ärztin Dr. Reyes behandelt. Schnell stellt sich heraus, dass sie alle Mutanten sind, die laut der Ärztin aber ihre Fähigkeiten noch nicht genügend kontrollieren können. Sie sollen lernen, ihre Kräfte richtig einzusetzen. Rahne (Wolfsbane), Roberto (Sunspot), Sam (Cannonball) und Illyana (Magik) kennen ihre Kräfte schon, nur Danielle nicht, weshalb sie sich immer neuen Tests unterziehen muss. Zur selben Zeit geschehen seltsame Dinge in Dr. Reyes „Krankenhaus“. Die schlimmsten Ängste der Teenager werden nach und nach lebendig und beginnen, sie heimzusuchen und zu verletzen. Was könnte der Grund dafür sein? Um der Wahrheit näher zu kommen, müssen die Fünf ihre Ängste überwinden und das Geheimnis um das „Krankenhaus“ lüften.

Aber ist „The New Mutants“ jetzt gut oder schlecht? Verschwendetes Potenzial würde es wohl am besten bezeichnen. Die Grundidee war interessant, die Herangehensweise frisch und das Setting wirklich spannend. Die Ausführung aber enttäuscht. Das liegt meiner Meinung nach gar nicht so sehr an Josh Boones Arbeit. Denn er hat da ein echt spannendes Projekt begonnen. Aber die Zeit und Studioschnippeleien haben den Film verdorben. Und das merkt man. Viele eher brutale Szenen, die aber wichtig für das Verständnis der Figuren sind, wurden stark zusammengeschnitten und gekürzt. Auch entstehen immer wieder logische Lücken, sodass die Motivationen einzelner Charaktere mehr als unklar bleiben. Außerdem braucht der Film seine Zeit, bis mal etwas Fahrt aufkommt. Erst als es auf das Ende zugeht, kommt richtige Spannung auf und der Endkampf könnte echt super sein, wäre nicht wieder so komisch geschnitten. Cannonball eilt beispielsweise der in Bedrängnis geratenen Magik im Kampf an die Seite, fliegt los und – zack – Schnitt in eine andere Szenerie. Ob er überhaupt ankommt und ihr hilft, wird nicht so ganz klar. Sicher, wir können es uns alle denken. Aber kommt schon. Ein echter Superheldenfilm hat einen richtig schöne Endkampf verdient und den will man doch bitte sehen.

So schlecht wie „Dark Phoenix“ ist „The New Mutants“ also nicht, aber er hätte noch wahnsinnig viel Luft nach oben gehabt. Immerhin geht es in dem Film um psychologische Probleme und zu verarbeitende Traumata, die wirklich nicht ausreichend genug behandelt wurden, um den Zuschauer abzuholen. Auch lernt man nicht alle Figuren gleich gut kennen, was schade ist und wirklich absolut unverdient. So kommt die Idee eine „neuen Teams“ überhaupt gar nicht erst auf. Wobei fraglich ist, ob Josh Boone das überhaupt wirklich wollte. Fazit: Viele verschenkte Möglichkeiten bei einem Projekt, das eigentlich so vielversprechend ausgesehen hat. Schade, das haben die „New Mutants“ nicht verdient, denn ihre Geschichte spricht wirklich an. Vielleicht sollte es auch für diesen Film etwas in die Richtung eines Snyder-Cuts geben. Denn in 94 Minuten ist die Story der neuen Mutanten wirklich nicht ausreichend erzählt.

Habt ihr den Film schon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

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