Bernhard Revisiting Retold Stuff: Star Wars Prequels – Episode I: Das Melken einer Milchstraße an Ideen

1

2. Adventsfilmkerze:

Weihnachten naht, die friedvollste Zeit des Jahres. Also die beste Zeit, um über die Vorgeschichte zu Krieg der Sterne zu sprechen!

Ich selbst war lange Zeit auch ein – gemäßigter – Gegner der Prequel-Trilogie. Aber irgendwann hat es Klick gemacht, und ich habe ihre subversive Brillanz und Tragik erkannt. Und ich glaube es gibt einen dezidierten Grund, warum die Filme beim Kinopublikum so schlecht angekommen sind. Und es ist paradoxerweise derselbe Grund, warum die Reihe überhaupt so erfolgreich geworden ist: Franchise und Marketing!

Vor langer Zeit in einem Land weit von uns entfernt…

George Lucas ist ein Cineast! Und er wusste, dass er etwas großartiges in den Händen hielt, als er Krieg der Sterne machte. Nicht nur hat er eine eigene Special Effects Firma gegründet, um die Effekte für den Film zu bekommen, die er haben wollte, er hat sich auch alle Marketingrechte gesichert, für den Vertrieb von Spielzeugen und anderen Merchandise-Artikeln. Lucas war nicht nur ein Geschichtenentwickler, er ist auch ein guter Geschäftsmann.

Es gibt diese Geschichte darüber, warum die Episoden 4 – 6 zuerst gemacht wurden. Lucas behauptet, dass die Technologie für die ersten drei Episoden damals noch nicht existierte. Das halte ich für unwahrscheinlich. Abgesehen davon, dass Star Wars bei seiner Erstaufführung keinen „Episoden“- Zusatz hatte – erst in späteren Veröffentlichungen kam „Episode IV“ hinzu, noch später dann „Eine Neue Hoffnung“. Nein, ich vermute, dass die wahre Antwort in Lucas‘ Liebe zum Kino liegt: In seiner Kindheit waren Kinoserials noch bedeutend. Fortsetzungsserien, deren Episoden eine Länge von 15 Minuten hatten, und die immer in einem Cliffhanger endeten. Jede Woche kam eine neue Folge raus. Und oftmals stieg man da eben mittendrin ein. Ich glaube, dass Lucas dieses Gefühl wiedergeben wollte, mitten in einer größeren Geschichte zu sein. Immerhin sollte Star Wars ursprünglich auch eine Neuauflage von “Buck Rogers” werden.

Was macht dich so „special“?

Star Wars wurde jedenfalls ein Mega-Erfolg. Und natürlich hatte George Lucas Ideen für weitere Geschichten in dem Universum. Dennoch beließ er es bei drei Teilen, die später zu den Teilen 4 – 6 umnumeriert wurden. Und dann begeisterte er die Welt mit der Ankündigung, die Vorgeschichte dazu erzählen zu wollen. Zuvor heizte er aber noch einmal mächtig das Interesse für Star Wars an, indem er die Special Edition der Originalfilme 1997 in die Kinos brachte.

Er fügte entfernte Szenen hinzu, machte die Welt durch hinzugefügte CGI scheinbar größer, und veränderte auch einzelne Szenen. Die neue CGI zeigte auch, was nun alles möglich sei. Damit sollte die Prequel-Trilogie nämlich gemacht werden. Um nochmal auf das oben benutzte Zitat zurückzukommen: Natürlich entspricht auch das der Wahrheit, denn so wie die Prequels sind und gemacht wurden, ist es Lucas‘ Werk. Und ohne die weiterentwickelte Technologie hätte es nie geklappt.

Prequel-Sorgen

Die Prequel-Trilogie sollte die Verwandlung des ehrenhaften Jediritters Anakin Skywalker in den diabolischen Maschinenmenschen Darth Vader erzählen. Zudem den Untergang der prachtvollen intergalaktischen Republik, und dem Aufstieg des finsteren Imperiums. Jeder wusste, wohin die Geschichte führen würde. Das ist das häufigste Problem bei Vorgeschichten: Man weiß wo der Weg endet, und darf nicht wirklich abweichen davon. Das „Ende“ der Geschichte ist also schon klar. Anders als in den meisten Filmen.

Star Wars war gigantisch. Vor der Premiere von „Episode I“ im Sommer 1999 schliefen die Fans tage- und wochenlang vor dem Kino, um Karten zu bekommen. Es war gigantisch. Zusätzlich dazu gab es eine ausführliche Berichterstattung zu den Dreharbeiten, zu den Filmen, quer durch alle Medien. So konnte man sich über alles informieren.

So wusste man auch über alle Darsteller bescheid. Da gab es Liam Neeson (“Schindlers Liste”), der den weisen Jedi-Ritter Qui-Gon Jin spielte, aber für den Star Wars nur ein Film sei. Sein Padawan Obi Wan Kenobi wurde gespielt von Ewan McGregor (“Trainspotting”), der scheinbar sehr pingelig darüber war, wenn Leute sein Lichtschwert angreifen wollten. Die noch relativ unbekannte Natalie Portman (“Leon der Profi”) spielte die Königin von Naboo, Padme Amidala, die übergroße Auswahl an verschiedenen Masken und Kostümen hatte. Dazu gab es noch das Wesen Jar Jar Bings, die erste filmische Kreatur, die komplett via Motion Capture (durch Performer Ahmed Best) entstanden ist.

K(l)eine doppelschneidigen Überraschungen

Das Qui-Gon den Film nicht überleben würde, war dann auch klar durch die Vorberichterstattung. Er sollte durch die Hand des neuen Bösewichts Darth Maul (Stuntman turned Actor Ray Park) fallen. Und dieser Darth Maul, der wie ein tätowierter Teufel aussah, hatte eine besondere Waffe: Ein doppelschneidiges Lichtschwert! Später sollte er sterben, indem er einen Schacht hinunterfällt. Im Film selbst ist die Offenbarung der Waffe ein großer Moment, untergraben durch das Vorwissen der Zuschauer darum.

Das sind jetzt nur ein paar Ausschnitte aus der Pressebeichterstattung im Vorfeld des Filmes. Was hier klar wird: Es würden keine Geheimnisse geboten, alles war offen gelegt. Zusätzlich mit dem bereits vorhandenen Vorwissen aus den Originalfilmen waren die Prequels augenscheinlich für wenige Überraschungen gut. Es ist auch ironisch, dass die Sequel-Trilogie hingegen in Geheimnisse und Mysterien umwoben sind.

Fortsetzung folgt…

1 Kommentar

  1. Pingback: Bernhard Revisiting Retold Stuff: Die Star Wars Prequels – Episode II: Die Tragik einer Weltraumoper Filmzeugs

Schreibe einen Kommentar