Bernhard Revisiting Retold Stuff: Die Star Wars Prequels – Episode II: Die Tragik einer Weltraumoper

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Im letzten Artikel haben wir über das Marketing der Prequels gesprochen. Nun kommen wir zur eigentlichen Handlung: Das wichtigste zuerst: Die Prequels sind nicht die Originaltrilogie. Die ersten Star Wars Filme waren Swashbuckler Filme im Weltraum. Wie der erste Trailer auch sagte, „The story of a boy, a girl, and a universe. “ Die Prequels hingegen waren eine Oper. Eine Tragödie, die erzählte, wie es erst dazu kommen sollte, dass ein Imperium an der Macht war. George Lucas hatte eine Vision, und diese Vision wollte und konnte er wahr werden lassen.

Groß, größer, John Williams

Alles war größer. Lucas baute zwar keine gigantischen Sets, sondern setzte vor allem auf Green Screen, wodurch die Räume scheinbar weiter wirkten. Leider waren sie nicht so belebt, dass man das auch glaubte. Dafür kamen trotzdem auch sehr viele echte Sets vor: Am Comersee wurde die Hochzeit von Anakin und Padme gefeiert, und Tunesien wurde wieder zu Tatooine. Auch die Lichtschwertkämpfe verloren ihren intimen Character und wurden größer, pompöser. Das beste Beispiel hierfür ist Williams Score. „Duel of the Fates“ und auch „Battle of the Heroes” sind laut, wuchtig. Genau das Gegenteil von Luke und Vaders Kampf in Episode V und VI. Hier trägt die Musik viel zur Narration bei.

Eine dunkle Intrige

Episode I ist für viele der schlechteste Star Wars Teil, bzw der schlechteste der Prequels. Die Begründung ist, dass es zu politisch sei, und das wäre langweilig. Dabei ist Politik immer schon Teil von Star Wars gewesen. Wenn wir nur den „Krieg“ hernehmen, ist das schon etwas Politisches. Oftmals werden die zahlreichen parallelen zu Nazideutschland und Hitlers Machtübernahme gar nicht angesprochen.

Episode I zeigte die Galaxie, wie sie vor dem Imperium war. Eine dekadente Hochkultur, die in Bürokratie erstickt und dadurch anfällig für ihren eigenen Untergang war. Sklaverei ist kein Thema für die Republik, Handelsabkommen ist es. Der Untergang wird schließlich herbeigeführt durch den dunklen Sith Lord Darth Sidious, (Ian McDiarmid).

Ein Handelsstreit zwischen dem kleinen royalen Planeten Naboo und der Handelsföderation eskaliert, unterstützt von Sidious errichten Letztere eine Blockade um den Planeten, um Druck auf die junge, gewählte, Königin Padme Amidala auszuüben. Durch die Hilfe der beiden Jediritter Jinn und Kenobi gelingt es ihr, mit Zwischenstopp auf Tatooine, zur Regierung auf Coruscant vorzudringen. Dort erhofft sie auf Hilfe von ihrem verbündeten Sheev Palpatine, nicht ahnend, dass er Sidious ist, und durch geschickte Intrigen den Senat lahmlegt. Dadurch sind die Nabooianer auf sich gestellt, und können schließlich die Handelsföderation schlagen. Diese wendet sich, verraten von Sidious, and Count Dooku und seine Separatisten. Was sie nicht wissen: Dooku ist mittlerweile der neue Schüler von Sidious, und kurz davor, die Galaxis in einen folgenschweren Krieg zu verwickeln.

Arie der Klone

Zehn Jahre nach Episode I steht die Galaxie kurz vor der Spaltung. Auf Seiten der Separatisten stehen die Manufakteure der Droiden, die schon für den Krieg rüsten. Die Republik hingegen hat keine Armee, bis ein missglückter Mordversuch an Padme Kenobi zu einem gelöschten Planeten führt, wo Klone eines – scheinbaren – Mandalorianers hergestellt werden. Eine Armee für die Republik. Und die Rüstungen der Klone sehen verdächtig nach denen der Sturmtrupplern aus.

Episode II ist im Grunde ein hochspannender Politthriller, voll mit Verschwörungen, Intrigen und Mysterien. Lucas zeigt hier seine Liebe zu dem Genre, und lässt Obi Wan zu einer Art Film Noir Detektiv werden, ohne Antworten zu geben. Vermutlich wuchsen ihm die Mysterien über den Kopf, und er hat sich dann doch eingeschränkt. Der Film endet mit dem Beginn der Klonkriege und einem ersten Sieg für die Republik. Dennoch scheint etwas nicht in Ordnung, wie Meister Yoda anmerkt. Und spätesten als während der Fanfare der Klone der Imperiale Marsch ertönt, sollte klarwerden, dass hier etwas ganz und gar nichts in Ordnung ist.

Die Rache der Fans

Episode I wurde zunächst eigentlich positiv aufgenommen. Erst nach „Angriff der Klonkrieger“ wurden sich die Fans einig, dass die Prequel-Filme lang nicht so gut wie die originalen Filme seien. Zur Erwartungshaltung auf Episode III mischte sich auch Furcht vor einer Katastrophe. „Die Rache der Sith“ sollte dann aber doch der beste Teil der Prequel-Trilogie werden. Und für mich ist er mit den Jahren auch zum zweitbesten Star Wars-Film geworden. Der Film vereint endlich das Pompöse, Opernhafte mit einem intimen Charakterdrama.

Die gesamte Galaxis ist mit Krieg durchzogen. Und dieser Krieg ist wie ein Krebsgeschwür, welches die Herzen der (humanoiden) Lebewesen verdirbt. („That’s how liberty dies: with thunderous applause“, ich krieg jedes Mal eine Gänsehaut bei dem Satz) Nach drei Jahren des Kämpfens ist der Frieden in greifbarer Nähe, doch Palpatines Intrige soll sich zuvor noch endgültig entfalten. Der Sith-Lord weiß um Padmas Zukunft, und um ihre Liebe zu Anakin. Dadurch weiß er den Jedi-Ritter zu manipulieren und auf seine Seite zu ziehen. Dass gerade während einer Oper Palpatine Anakins Neugier mit der Legende von Darth Plagues weckt, unterstreicht nur den theatralen Charakter der Prequels.

From my point of view this actor is good

Reden wir kurz über Anakin Skywalker. Hayden Christensen hat schlechte Kritiken für seine Darstellung bekommen, doch eigentlich ist er vollkommen in Ordnung. Ein Schauspieler muss mehr tun als Texte zu rezitieren, er muss vor allem durch Mimik und Gestik überzeugen. Und das tut Christensen als Anakin sehr gut. Für die Sätze und Dialog, die den Schauspielern von Lucas in den Mund gelegt wurden, konnte er nichts. Und ich sage es auch gleich: Der Dialog über Sand ist nicht so schlimm wie alle tun.

Es wird kritisiert, dass Anakins Fall zur Dunklen Seite zu schnell kam. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, aber es wird fast immer ausgelassen, dass Anakins Lage aussichtslos war und er keinen anderen Weg mehr gesehen hat. Liebe hat ihn dazu verleitet, die Dunkle Seite aufzusuchen, nicht Macht, nicht Stärke oder Lust, sondern Liebe. Zusätzlich dazu erkannte er, dass die Jedi nicht so edel sind wie er angenommen hatte. Der Jedi-Orden ist ebenso dekadent geworden, und leichtsinnig, selbstgefällig. Das hat Lucas mit all seinen Teilen versucht zu sagen. Und das war mitunter ihr Untergang. Order 66 ist einer der brillantesten Montageszenen der gesamten Saga. Es zerreißt einem das Herz, mitanzusehen, wie die Jedi von ihren eigenen verbündeten, den Klonen, erschossen werden.

Where Jedi go to die

Und das führt uns zu Mustafar, dem Ort, zu dem Jedi hingehen, um zu sterben (ein Zitat aus Rebels). Hier kommt es zur Konfrontation zwischen Schüler und Meister, Freund und Bruder, Obi Wan vs Anakin. Die Konfrontation auf dem Lavaplaneten ist zunächst wie ein Shakespeare’sches Drama, wo Padme noch versucht an Anakins Vernunft und liebe zu appellieren. Doch sie, und auch Obi Wan, scheitern. Wo Worte verhallen, erklingt das Surren der gezückten Lichtschwerter. Gleichzeitig wird der Kampf Yodas mit dem neuen Imperator wortwörtlich auf eine Metaebene gehievt, als Palpatine den Senat auf den Jedi-Meister wirft.

Schlussendlich aber verlieren die Guten, und das Imperium übernimmt die Galaxie. Die Montage von Darth Vaders Rettung und der Geburt der Zwillinge ist ein ebenso fantastischer Moment in der Reihe. Und während Darth Vader seinen ersten Atemzug macht, macht Padme ihren Letzten. Sith können kein Leben schenken, sie können nur nehmen. In meinem Headcanon hat Vader Padmes Lebensenergie angezapft und ausgesaut. So konnte er überleben, und sie „starb an einem gebrochenen Herzen“.

Fazit: Don’t let the past die

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen über die Prequels, denen einfach so oft Unrecht getan wird. Lucas ist ein hingebungsvoller Geschichtenerzähler, dem halt leider manchmal das kreative Feingefühl gefehlt hat. Dennoch strotzen die Prequels voller Ideen und Konzepte. Die Prequels sind unterschätzte Tragödien, verkleidet als Sci-Fi Abenteuerfilme.

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