Bernhard Revisiting Retold Stuff: Barb Wire – Klau von den Besten

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Heute reisen wir in die Zeit der tiefsten 90er Jahre. Zu einer Zeit, wo dark & gritty flashy, stylisch und Neonlicht-gebadet war. Die Neunziger wirken aus heutiger Sicht oftmals wie ein sex-besessener Teenager. Und in dieser Zeit erregte die Comic-Adaption „Barb Wire“ die Gemüter.

Seattle wird uns immer bleiben

Widerstandskämpferin/ Wissenschaftlerin Cora D will heil und von einem faschistischen Regime unbemerkt über die Grenze reisen. Widerstandskämpfer Axel steht ihr zur Seite. Doch verfolgt von den Schergen des Regimes, landen sie in der letzten freien Stadt. Dort suchen sie Unterstützung bei Barbesitzerin Barbara Kopetzki, auch genannt Barb Wire. Die ist nicht nur Kopfgeldjägerin bei Nacht, sondern auch Axels Ex-Geliebte, und nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen, nachdem er sie einst in der Hitze des Gefechts sitzen gelassen hatte. Kann sie ihm nun doch verzeihen? Oder wird der Regime-Offizier Pryzer mit Unterstützung des korrupten Polizeichefs Willis Cora D fangen? Und wem wird Paris, äh, ich meine, Seattle, immer bleiben?

Schau mir in die Augen, Babe

Wie ihr es vielleicht schon festgestellt habt, folgt die Handlung des Filmes seltsamerweise sehr stark der Handlung von „Casablanca“. Barb ist wie Rick Barbesitzer in einer Region, die wieder zum Naziregime noch zu den Alliierten gehört, sondern sich neutral verhält. Es gibt eine Hassliebe zum örtlichen Polizeikommandanten, aus dem am Ende doch „eine wunderbare Freundschaft“ werden wird. Dann gibt es das finstere Regime. Im Original die Nazis, und in Barb Wire definitiv eine eigene Form der SS. Ja, sogar die Uniform von Bösewicht Pryzer ist der SS-Uniform nachempfunden.

Ich habe keine Ahnung, welche Geschichte die Comics haben, oder ob es überhaupt eine durchgängige Geschichte gibt, aber der Film ist definitiv ein Rip-Off von Casablanca. Eine Kritik im GQ-Magazin hat es sogar ein „sexed-up remake“ genannt. Der Film eröffnet mit einem Striptease von Barb in einem Nachlokal, in dem sie Undercover arbeitet. Eine Möglichkeit, um Pamela Anderson leicht bekleidet zu sehen; es wird nicht das letzte Mal im Film gewesen sein. Der Film endet sogar wie sein großes Vorbild, in dem Barb und Willis den Tatort gemeinsam verlassen und mehr oder weniger über den „Beginn einer wunderbaren Freundschaft palavern.“

Erinnerungen an die Synchronlüge

Interessant ist, dass der Plot um die Kontaktlinsen, die Augenscans umgehen können, an die erste deutsche Synchronisation von Casablanca von 1952 erinnern. Denn in jener Synchronfassung wurde erhebliche Teile des Filmes verändert, ganze 20 Minuten wurden gestrichen. Es gab keine Nazis mehr, und auch keinen Widerstand. Aus dem Polen Victor Laszlo wurde der norwegische Atomphysiker Victor Larsen, der die gefährlichen Delta-Strahlen entdeckt hatte. Und eine Verbrecherbande will diese in ihre Hände bekommen.

Fazit: Casablanca for horny teenagers

Man muss den Filmemachern schon gutheißen, dass sie dabeigeblieben sind, und die Handlung von Casablanca für ihre Comic-Adaption übernommen haben. Das macht den Film zu einem interessanten Remake, auch wenn es vermutlich eher ein Rip-Off ist. „Barb Wire“ ist ein Guilty Pleasure, ein Trash-Film. Das (damals) nicht vorhandene Schauspieltalent von Anderson wird durch ihren Versuch des unterkühlten Overactings wieder wettgemacht. Und Overacting ist immer eine Unterhaltung wert.

Nächstes Mal sind wir allein zuhause.

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