Berlinale Hightlights: Piranhas (La Paranza Dei Bambini)

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Wie steht es heutzutage eigentlich mit der italienischen Mafia? In Neapel herrschen weiterhin Bandenkriege, die Macht der organisierten Kriminalität ist ungebrochen. Mit La paranza dei bambini ist jetzt ein Film erschienen, der die Mafia-Problematik der heutigen Zeit auf italienischem Boden behandelt. Ich bin großer Fan von Mafia-Filmen, deshalb habe ich mich sehr auf diesen Film gefreut. Er ist auch der einzige Film, den ich gesehen habe, der mit einem Bären ausgezeichnet wurde, nämlich mit dem Silbernen für das Drehbuch.

An dem Film ist vieles anders als an herkömmlichen Mafiafilmen. Er folgt einer Gruppe Jugendlicher, die noch nicht in den Club kommen und eher mit dem Klauen von Bäumen beschäftigt sind, als mit dem harten Bandengeschäft. Bei der erstbesten Gelegenheit wenden sie sich dann aber der Kriminalität zu – ohne Diskussion, ohne auch nur einmal in Frage zu stellen, ob es der richtige Weg ist. Es scheint der einzige Weg zu sein.

Man merkt, dass dieser Film auf einem Roman von Roberto Saviano basiert. Saviano hat die Machenschaften der Mafia im großen Stil aufgedeckt und lebt seitdem unter Zeugenschutz – wenn einer das Mafia-Milieu kennt, dann er. Ich habe den Roman leider nicht gelesen, aber die Art und Weise wie man den Film über aus der Perspektive von Nicola erlebt, dem charismatischen Anführer der Jugendlichen, spricht von einer sehr detailreichen Recherche.

Was mich am Film noch besonders angesprochen hat, ist die Darstellung des Italiens der heutigen Zeit. Wenn sich Halbstarke anhand von YouTube-Tutorials selbst das Schießen beibringen, ist das so absurd, dass es schon wieder realistisch wirkt. Bis auf die Liebesgeschichte macht der Film extrem viel richtig.

Die Darstellung der italienischen Frauen im Film ist nämlich ziemlich altmodisch –das Mädchen kommt nicht über die Rolle des schönen Anhängsels hinaus. Wo der Film sonst so zeitgemäß ist, hat er mich in dieser Hinsicht wirklich enttäuscht. Trotzdem würde ich den Film weiterempfehlen, er ist bei weitem kein Meilenstein im Mafia-Genre, aber er eröffnet eine spannende neue Perspektive.


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