Batman Forever – Kann denn Batman ewig sein?

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Nach zwei erfolgreichen Batman-Filmen übernahm Joel Schumacher die Regie über den Mitternachtsdetektiv. Mit klaren Auflagen. „Batman Forever“ war ein massiver Hit an den Kinokassen, auch wenn es bis heute ordentlich Kritik an dem Streifen gegeben hat. Dieses Jahr feiert der dritte Teil der Burton/ Schumacher-Batman-Reihe sein 25-jähriges Jubiläum.

Putting the Goth in Gotham

Doch wie sind wir eigentlich an diesen Punkt gekommen? Nach dem Erfolg von „Batman“ und „Edward mit den Scherenhänden“ genoss Burton größere kreative Freiheit für die Fortsetzung seiner Comicverfilmung. Burton war jedoch erst an Bord, nachdem das Drehbuch seine Zustimmung fand. Auch Keaton kehrte nach einer ordentlichen Gehaltserhöhung in die Rolle zurück. Ursprünglich hätte es eine direkte Fortsetzung sein sollen, und Pinguin und Catwoman sollten sich zusammentun, um auf Schatzsuche zu gehen. Zudem sollte Harvey Dent sich als korrupt entpuppen und gegen Ende hin zu Two Face werden. Dents Figur wurde schließlich umgeschrieben in eine neue Figur namens Max Shreck – Eine Referenz auf den gleichnamigen Nosferatu-Darsteller.

“Batman Returns” war mehr im Stil des Regisseurs. Ein Gothic-Horror-Stil mit überdrehten Figuren, weitaus mehr schwarz und weiß und generell ein viel düsterer Ton. Eltern waren zu einem Gutteil schockiert darüber, dass ihre Kinder einen solchen Film, der alles andere als für sie geeignet sei, ansehen sollten. Dennoch war der Film ein großer Erfolg, und spielte weltweit über 266 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 80 Millionen.

Einen McBat zum Mitnehmen, bitte.

Auf der DVD (Special Edition) reden die Produzenten darüber, dass sie im einem Nachgespräch mit alle – Burton inklusive – sich einig waren, dass der Regisseur nun nichts mehr Interessantes über die Figur zu erzählen habe, und er dadurch neue Wege gehen solle. Was jedoch ausgelassen wurde hierbei, war, dass es da noch einen weiteren Partner gab, der ein gewisses Mitspracherecht hatte: McDonald’s. Die Fast Food-Kette war ein großer Sponsor für das Marketing des Filmes, und hatte in ihrer Junior-Tüte massig „Batman Returns“-Merchandise Artikel im Sortiment, generell war die gesamte Linie der Juniortüte zu dem Zeitpunkt auf das Thema Batman ausgelegt. McDonald’s distanzierte sich zwar von Erläuterungen über den Deal, nachdem aufgeregte Eltern sich beschwerten, und meinten, dass sie nie den Film direkt, sondern batman als Figur beworben hätten (weil kurz darauf die Zeichentrickserie starten sollte). Jedoch würde diese Reihe von Werbespots dem widersprechen. Im Interview mit Yahoo sprach Burton über die Kontroverse:

I think I upset McDonald’s. [They asked] ‘What’s that black stuff coming out of the Penguin’s mouth. We can’t sell Happy Meals with that!’”

Warners nächstes Ziel war demnach klar: Batman sollte kinderfreundlicher werden, und auch mehr fürs Merchandise geeigneter sein. Und dafür war Burton nicht der Richtige.

The Dark Knight Makeover

Nun wurde also Joel Schumacher engagiert. Der Filmemacher hatte mit „Der Klient“, „Falling Down“ und „Flatliners“, ordentliche Hits, und auch der Kultklassiker „Lost Boys“ entstammt seiner Regie. Ähnlich wie Burton hat auch Schumacher eine einprägsame visuelle Ästhetik. Sein Stil ist pompös, opernhaft. Das merkt man auch am – schrecklich unterbewerteten – Score von Elliot Goldenthal. Nicht zufällig heißt eines der Themen „Batterdammerung“, eine Referenz auf Wagners „Götterdämmerung“. Seine Kamera liegt gern schräg, und sorgt dafür für interessante optische Blickwinkel.

Schumacher verglich Batman mit den Helden der griechischen Antike. Der Batanzug ist eine moderne Form der nackten Körper dieser Helden, repräsentiert durch den Zusatz der „Bat-Nippel“, um einen anatomischen Look zu geben. Ebenfalls zierten riesenhafte Statue nackter Athleten sein Stadtbild. Diese kamen zwar auch schon bei Burton vor, jedoch in einem viel kleineren Rahmen. Schumacher ist sehr körperbetont, und das merkt man schon in der allerersten Szene: In der “Suit-Up”-Montage sehen wir Close-Ups vom Bat-Hintern, Bat-Schritt, Bat-Brust, etc. Körperstellen, die in der Regel bei Frauen hervorgehoben werden (Stichwort “Male Gaze” )

Nicht nur das Stadtbild wurde redesignt (Gotham City erstrahlt erstmals im Sonnenlicht, in Burtons Filmen gab es kaum „Lichtblicke“). Auch in der Darstellerriege tat sich einiges: Keaton hatte keine Lust auf die Richtung, die der Film nehmen sollte, darum wurde er durch Val Kilmer ersetzt. Two-Face wurde ebenso recastet, statt dem Afroamerikaner Billy Dee Williams übernahm Tommy Lee Jones den überaus exzentrischen Schurken. Nicole Kidman, Chris O’Donnell und Jim Carrey ergänzten die Neuzugänge. Aus den alten Filmen blieben Pat Hingle als Gordon und Michael Gough als Alfred Pennyworth.

“Heilige Doppelung, Batman!”

Batman hat sich mittlerweile als Held von Gotham etabliert. Leute schauen zu und jubeln, wenn er in den Kampf zieht. Two-Face ist aus Arkham Asylum ausgebrochen, und hat Rache an Batman geschworen. Ins Kreuzfeuer gerät auch die Familie von Dick Grayson (Chris O‘Donnel). Gleichzeitig macht Psychiaterin Chase Meridian (Kidman) Batman und seinem Alter Ego schöne Augen, und ein verrückter Fan (Jim Carrey) hat ein Gerät entwickelt, um die Intelligenz der Menschen zu stehlen (Social Commentary?). Es passiert sehr viel.

Der Film baut sehr viel auf Reflexionen und doppelte Identitäten. Batman und Two-Face sind logisch, aber es sind noch weitere Elemente diesbezüglich vorhanden: Edward Nygma ist ein Fanboy von Bruce Wayne, und will so sein wie er. Als er erfolgreich wird, verändert er sein Äußeres und passt es dem Business-Aussehen von Wayne an. Durch das Trauma des Showdowns halt er sich am Ende selbst für den Mitternachtsdetektiv. In Dick Grayson sieht Bruce sich selbst nach dem Tod seiner Eltern. Er erkennt seinen eigenen Zorn wieder, und will ihm diese Last nehmen. Chase Meridian steht auf den Mensch Bruce Wayne als auch auf den Helden Batman, und muss sich zwischen einer der beiden Identitäten entscheiden. Batman wird am Ende vor die Wahl gestellt, welcher seiner Identitäten nun die wahre ist: Bruce oder Batman. 20 Jahre später sollte Scott Snyder dieses Thema in seinem Run aufgreifen.

“I cannot sanction your buffoonery”

Der Camp beginnt schon in der ersten Szene: Statt dem brutalen Ausbruch von Two-Face aus Arkham zu zeigen, beginnt der Film mit einer Anziehmontage. Die ersten Sätze verweisen auf das McDonald’s-Debakel („I’ll get drive-through.“), und es wird peinlich genau darauf geachtet, dass Batman niemanden tötet. Statt eines seelisch und körperlich gepeinigten Two-Faces hat dieser seinen inneren Camp komplett veräußerlicht, und ist überdreht wie der Joker.

Apropos Camp: Die beiden Schurken wirken wie ein verliebtes Ehepaar. Das ist insofern überraschend, als dass Tommy Lee Jones Jim Carrey und dessen Art der Komik hasste. Es kam auch immer wieder zu Schwierigkeiten beim Dreh, zwischen den beiden, als auch zwischen Kilmer und Schumacher. Carrey war der einzige, mit dem der Regisseur seitdem wieder gearbeitet hatte (Anmerkung: Er ist auch der Beste in dem Film, er bringt viel Hyperaktive Energie mit und beruft sich auf Frank Gorshins Version des Riddlers.)

Da der Film auch der erste Live-Action-Auftritt von Robin seit den 60er Jahren war, musste auch eine obligatorische Referenz auf seine Catchphrase “Holy Something, Batman”, her. Die Möglichkeit ergibt sich, als das dynamische Duo Riddlers Insel betreten, und Robin in Bezug auf das löchrige, rostende Metall anmerkt: “Holey rusted metal, Batman”. Camp, aber anders würd ichs gar nicht haben wollen. O’Donnel macht aber durchaus eine gute Figur. Er ist kein Sidekick, sondern Batmans Partner.

Die Romanze ist merklich blass. Kilmer und Kidman haben keine Chemie. Das liegt vor allem an Kilmer, der einfach miscastet ist. Sein Bruce Wayne wirkt gelangweilt, und nicht besessen, wie es das Drehbuch verlangen würde. Bruces Geschichte würde sonst als Antwort auf Keatons düstere Version durchaus angenehm sein: Ein Batman, der vom Töten absieht, und auch den ärgsten Kriminellen eher helfen will.

“Who’s afraid of the big black bat?”

„Batman Forevers“ Geschichte war noch weitaus massiver, und länger. Nur musste Schumacher den Film auf unter 2 Stunden kürzen – Filme mit einer Länge von 2+ Stunden waren damals noch nicht Gang und Gäbe. Daher fand eine wichtige Storyline am Schnittplatz ihr Ende: Bruces innerer Kampf mit sich, er selbst oder Batman zu sein. Vor allem fragt er sich, ob sein Kampf gegen das Verbrechen mehr Negatives als Positives bewirkt hat. Von den Medien zerrissen bzw gerügt und zischen sich selbst hin und hergerissen, will er für Dick Grayson ein positives Vorbild sein, und hört auf, Batman zu sein. Nach der Attacke auf Wayne Manor – Carrey verzichtete auf ein Stuntdouble, als der Riddler die Bathöhle hochjagt – vergisst er sogar ganz, dass er der Dunkle Ritter war. Erst als er sich erneut seinen Schuldgefühlen stellt, wird klar, dass er beides sein kann. Er wird – diesmal aus freien Stücken – wieder zu Batman. Mit diesen zusätzlichen Szenen hätte der Film narrativ noch weitaus besser werden können. Leider wird es nie einen Directors Cut davon geben.

Eine Antwort auf eine nie gestellte Frage

Schumachers “Batman Forever” ist ein solider Film mit einem Haufen Fehler. Natürlich umarmt er den Camp und ist das komplette Gegenteil von Burtons Version, aber das ist auch gut so. Batman ist vieles, und hat zahlreiche unterschiedliche Inkarnationen. Deswegen hat die Figur auch so lang überlebt, und deswegen kann Batman auch ewig sein.

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https://www.youtube.com/watch?v=I3HwRnU4ryM

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