All grown up: The Edge of Seventeen (2016)

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Nadine hasst ihren Bruder. Denn Darian ist all das, was sie nicht ist: beliebt in der Schule, Einserschüler, super sportlich und der Liebling ihrer Mutter. Zum Glück hat Nadine ihre beste und einzige Freundin Krista, die sie versteht und die Stütze ihres Lebens ist. Sie sind ein eingeschworenes Team und immer und überall unzertrennlich, ein echtes dynamisches Duo eben. Doch das Leben kommt ihnen dazwischen. Nach einer Hausparty kommen sich Krista und Darian näher und beginnen zu Nadines Entsetzen miteinander auszugehen. Nadine fühlt sich verraten und zwingt Krista, sich zu entscheiden – und die wählt ausgerechnet Darian.

Alles ziemlich schockierend, oder? Die beste Freundin sollte doch immer für einen da sein und sich nicht mit dem persönlichen Erzfeind verbünden. Der Verlust von Krista ist für Nadine auch deshalb besonders schlimm, weil sie kein Profi auf der zwischenmenschlichen Ebene ist. Es fällt Nadine schwer, auf andere Menschen zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Deshalb steht sie nun alleine da und das ist ein richtig mieses Gefühl. In ihrer Verzweiflung beginnt sie, ihre Pausen mit ihrem Geschichtslehrer Mr. Bruner (grandios gespielt von Woody Harrelson) zu verbringen, der davon erst gar nicht begeistert ist und sie mit bissigen Kommentaren zu verscheuchen versucht.

Doch worum geht es eigentlich wirklich in „The Edge of Seventeen“? Ich denke, der Film erzählt vor allem die Geschichte einer Familie, die aus den Fugen geraten ist. Vier Jahre vor der Handlung des Films, starb Nadines Vater an einem Herzinfarkt, während sie direkt danebensaß. Der Verlust ihres Vaters ist für Nadine besonders hart, da sie sich ihm immer näher als ihrer Mutter gefühlt hatte. Nach dem Tod des Vaters wird die Kluft zwischen ihr und ihrer Mutter nur noch breiter und selten gibt es Versuche einer Annäherung. Das Fehlen des Vaters belastet aber auch Darian und zwingt ihn in die Rolle des „Mann im Haus“, sodass er beginnt, sich um seine trauernde Mutter und die Dinge im Haus zu kümmern.

Nadine sieht währenddessen nur die Fassade des perfekten Sohnes und wird auch durch die Ablehnung ihrer Mutter immer ungenießbarer. Sie fängt Streit an, wo sie nur kann, verprellt die letzten Menschen, die auf ihrer Seite stehen und lässt sich beinahe von einem fast fremden Mitschüler in dessen Auto entjungfern. Und das alles, weil Nadine in Wahrheit vor allem eines hasst: sich selbst. Als Zuschauer will man nur rufen „Nein! Tu das nicht!“ Zum Glück gibt es einen kleinen Lichtstrahl am Horizont der Handlung namens Erwin Kim, aber ich will nicht zu viel verraten.

Für mich ist „The Edge of Seventeen“ ein grandioser Film, der seine Protagonistin ernst nimmt und ihr eine Stimme gibt. Nadine lernt nach und nach, was es heißt, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen und sich ihnen zu öffnen. Das ist nicht immer leicht, aber am Ende hat sie die eine oder andere Lektion gelernt. Es ist ein Film, der zeigt, dass Erwachsenwerden scheiße ist, aber man das Beste daraus machen muss. Hat man das erst einmal hinter sich, ist das Schwerste schon geschafft. Und wenn man genau hinsieht, ist man gar nicht so auf sich alleine gestellt wie man denkt.

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