Wenn euer Leben eine Serie wäre, wer wäre dann euer Erzähler? Wer würde alle eure noch so doofen Aktionen und unüberlegten Entscheidungen kommentieren? Bei mir müsste es wohl der Schauspieler Adam Driver sein, denn der kann richtig schön laut fluchen. Aber um mich geht es heute nicht, sondern um die junge Inderin Devi Vishwakumar. Devi ist fünfzehn Jahre alt, besucht eine amerikanische Highschool und Tennislegende John McEnroe ist der auktoriale Erzähler ihres aufwühlenden Teenagerlebens. Warum ausgerechnet John McEnroe? Dazu müsst ihr euch die Serie selber ansehen. Am Ende ergibt das alles einen Sinn, das verspreche ich.

Devi hat ein hartes Jahr hinter sich. Erst stirbt ihr Vater völlig überraschend und dann verliert sie auch noch temporär die Beweglichkeit in ihren Beinen, sodass sie mehrere Monate lang im Rollstuhl sitzen muss. Deshalb ist Devis Vorsatz für das neue Schuljahr klar: die Vergangenheit hinter sich lassen und mit ihren Freundinnen als beliebte Mädchen durchstarten. Und der erste Schritt lautet, einen festen Freund zu finden. Und auch wenn sie sich eigentlich keine Chancen ausmalt, hat Devi ein Auge auf ihren populären und gutaussehenden Mitschüler Paxton Hall-Yoshida geworfen. Aber wie soll sie an ihn rankommen?

Doch ihr Liebesleben ist nicht Devis einziges Problem. Gleichzeitig streitet sich die Einserschülerin heftig und leidenschaftlich mit ihrem schulischen Konkurrenten Ben Gross, der um keinen fiesen Spruch verlegen ist. Auch mit ihrer Mutter kracht es immer wieder. Denn Dr. Nalini Vishwakumar ist sehr traditionell veranlagt und möchte Devi zu einer anständigen Inderin erziehen, die ihre Wurzeln schätzt. Dazu gehört auch, dass Devi niemals auf Partys darf, geschweige denn Jungs treffen oder sonstigen körperlichen Kontakt zum anderen Geschlecht. Aber Devi weiß sich zu helfen, flunkert und schleicht sich aus dem Fenster – typisch Jugendliche!

Und die Dinge werden verrückt, als es Devi gelingt, über Umwege Kontakt mit Paxton Hall-Yoshida aufzubauen und immerhin erst einmal in die Friendzone schlittert. Doch dann macht das Gerücht die Runde, sie hätte mit Paxton Sex gehabt und anstatt es richtig zu stellen, sonnt sich Devi im Licht der neuen Aufmerksamkeit. Paxton findet das aber gar nicht lustig und die zart geknüpften Bande drohen zu zerreißen. Und weil Devi gelogen hat, bekommt sie auch noch Stress mit ihren besten Freundinnen Eleanor und Fabiola. Das muss sie unbedingt irgendwie wieder hinbiegen.

Auch wenn die Handlung für manche unter euch wie die typische Teenieserie klingt, dürft ihr euch keinesfalls täuschen lassen. Klar, die Teenie-Wurzeln hat „Noch nie in meinem Leben“ definitiv, aber die Serie leistet viel mehr. Nicht nur räumt das neueste Werk von Mindy Kaling mit asiatischen Stereotypen auf und hinterfragt sie, sondern behandelt auch den kulturellen Konflikt von Devi anschaulich und für die Zuschauer nachvollziehbar. Denn sie muss einerseits ihren Teenager-Alltag auf die Reihe bekommen und andererseits ihre Zerrissenheit zwischen der indischen und amerikanischen Kultur bewältigen. Nicht einfach das alles.

Mir gefällt „Noch nie in meinem Leben“ sehr gut und die zehn Folgen waren schnell durchgeschaut. Die Figuren wachsen einem sofort ans Herz, und auch wenn Devi sich manchmal wie die Axt im Walde verhält, kann man sie doch verstehen. Ob es eine Fortsetzung der Serie gibt, ist noch nicht bekannt. Ich hoffe natürlich darauf und würde mich über weitere Episoden rund um Devis Erwachsenwerden freuen.

By Sophia

Sophia ist nicht nur Serienliebhaberin, sondern rennt auch immer sofort ins Kino, wenn der Geldbeutel es zulässt. Seit ihrer Kindheit sind Filme ein wichtiger Teil ihres Lebens und das hat sich bis heute nicht geändert. In ihrer Freizeit liest sie Bibliotheken leer und versucht der beste Pokémon-Trainer zu werden.

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