Brrr, es ist kalt hier drin. Das liegt daran, dass die Toros in der Nähe sind! Wer in den 2000ern aufgewachsen ist, hatte wohl gar keine Chance um das Filmfranchise „Girls United“ herumzukommen. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Teenagerfilmen, in denen verschiedene Cheerleader-Truppen aus ganz Amerika in einem nationalen Wettbewerb gegeneinander antreten. Das beste Team gewinnt ein hohes Preisgeld, eine riesige Trophäe und darf sich fortan Cheer Champion nennen. Die Handlung ist quasi immer gleich, nur die Figuren wechseln. Bis heute sind insgesamt sechs „Girls United“ Filme erschienen. Doch keiner war so erfolgreich wie der allererste Film aus dem Jahr 2000.

Torrance Shipman hat es endlich geschafft. Sie ist zum Captain der Toros, dem Cheerleader-Team der Rancho Carne High School, ernannt worden. Damit tritt sie die Nachfolge der bisherigen Anführerin Big Red an, die das Team bisher schon einige Male auf den ersten Platz der nationalen Cheer Meisterschaften gebracht hat. Torrance hat also sehr große Fußstapfen zu füllen und ihr Ziel ist klar: Es auch dieses Jahr an die Spitze zu schaffen. Doch schon beim ersten Training gibt es einen Unfall und ein Ersatz-Mitglied muss her. Die Wahl fällt auf die rebellische Bodenturnerin Missy, die vor kurzer Zeit aus Los Angeles hergezogen ist.

Aber als Missy das erste Training sieht, stürmt sie wütend aus der Turnhalle. Was ist nur los? Torrance folgt ihr und Missy konfrontiert sie, dass die Performance eins zu eins von einem anderen Cheerleading-Team geklaut ist – den East Compton Clovers. Torrance will es nicht glauben, aber nachdem sie und Missy einen Auftritt der Clovers gesehen haben, ist es offensichtlich: Big Red hat alle Choreographien von den Clovers geklaut. Clover-Captain Isis konfrontiert Torrance auch sofort und teilt ihr mit, dass sie selbst mit ihrem Team dieses Jahr den Toros den ersten Platz der Cheerleading Meisterschaft streitig machen will. Damit steht Torrance Start als Captain schon unter einem schlechten Stern. Sie muss nicht nur mit einer neuen Choreographie aufwarten, sondern hat auch noch neue starke Gegner im Wettkampf.

So viel zur groben Handlung. Klingt alles gar nicht so interessant? Vielleicht. Immerhin sind beinahe alle „Girls United“ Filme nach dem gleichen Schema aufgebaut. Ein tolles Cheerleader-Team muss Probleme überwinden, eine coole Choreo präsentieren und den Wettbewerb rocken. Doch so einfach ist es bei dem ersten „Girls United“ Film doch nicht und wahrscheinlich war er auch deshalb der bisher erfolgreichste der Reihe. Denn neben dem zugrundeliegenden typischen Schema wird hier ebenfalls die Geschichte eines Teams erzählt, das sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens durchsetzt.

Nein, ich spreche nicht von den Toros, sondern von des East Compton Clovers. Das rein afroamerikanische Team aus einer armen Gegend, das bisher immer nur beklaut wurde, möchte sein Potential beweisen und den fast gänzlich weißen Wettbewerb der Cheerleader aufmischen. Mit einem großen Knall qualifizieren sie sich für das Finale in Daytona und der Traum scheint in greifbarer Nähe. Doch dann passiert es: Die Clovers haben nicht genug Geld, um nach Daytona zu fahren. Doch anstatt den großzügigen Scheck von Torrance anzunehmen, beschaffen sie sich selbst das Geld und fahren aus eigener Kraft zum Wettbewerb. Heute würde man den Film vermutlich aus dem Blickwinkel der Clovers drehen. Ich bin offen dafür und könnte mir das gut als Serie vorstellen. Wie wär’s, Netflix?

Was mich aber ganz klar an „Girls United“ stört – und das hat vermutlich mit der Zeit zu tun, aus der der Film stammt – ist die extreme Übersexualisierung der weiblichen Cheerleader. Denn obwohl man es teilweise mit starken Charakteren wie Torrance, Missy und Isis zu tun hat, werden gerade die weiblichen Cheerleader der Toros von den männlichen Cheerleadern oder den Jungs der Highschool unglaublich stark auf ihre sexuellen Reize reduziert oder sogar belästigt. So greift einer der männlichen Cheerleader bei einer Hebefigur beispielsweise einem der Mädchen immer in ihr Höschen. Aus heutiger Sicht sind solche Szenen in einem Familienfilm unvorstellbar.

Dennoch ist „Girls United“ ein guter und kurzweiliger Film, der (eigentlich) für die ganze Familie geeignet ist. Die einzelnen Choreographien sind wirklich spannend anzusehen und gerade die Auftritte im Finale sind sportliche Höchstleitungen. Da fallen einem beinahe die Augen aus dem Kopf, wie die Cheerleader da so durch die Luft wirbeln. Außerdem gibt der Film den Zuschauern ein paar kitschige, und doch sinnvolle Botschaften mit auf den Weg. Nämlich: Ein Sieg zählt nur dann, wenn du ohne Tricks gegen den Besten gewinnst. Und: Aus eigener Kraft kann man alles schaffen. Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für den ersten Teil der „Girls United“ Reihe. Wer aber von den Cheerleadern nicht genug kriegen kann, darf sich noch „Girls United: Alles oder Nichts“ von 2006 und „Girls United Again“ von 2004 ansehen. Von den anderen Teilen würde ich lieber die Finger lassen, denn das sind echte Langeweile-Garanten.

By Sophia

Sophia ist nicht nur Serienliebhaberin, sondern rennt auch immer sofort ins Kino, wenn der Geldbeutel es zulässt. Seit ihrer Kindheit sind Filme ein wichtiger Teil ihres Lebens und das hat sich bis heute nicht geändert. In ihrer Freizeit liest sie Bibliotheken leer und versucht der beste Pokémon-Trainer zu werden.

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