Ihr wollt mal so richtig abschalten, das Böse im Leben ignorieren und euch auf einer riesigen Welle Feel-Good-Vibes davontragen lassen. Dann ist „Gilmore Girls“ genau die richtige Serie für euch. Von 2000 bis 2007 wurden insgesamt sieben Staffeln der amerikanischen Serie produziert und viele Jahre lang waren die beiden Gilmores ein Dauerbrenner im weltweiten Fernsehen. 2016 produzierte der Streaminganbieter Netflix eine vierteilige Miniserie mit dem Titel „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“ und holte den Serienliebling für die Fans zurück. Beinahe der gesamte Cast war wieder mit dabei, doch Edward Herman (Richard Gilmore) war in der Zwischenzeit leider verstorben. Er wurde in der ersten Folge der Miniserie geehrt.

Worum geht es? Mutter und Tochter sind die allerbesten Freundinnen. Was, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen? So ist es aber. Mutter Lorelai Gilmore und Tochter Rory leben gemeinsam in der Kleinstadt Stars Hollow, in der quasi jeder jeden kennt. Es ist eine Stadt wie aus dem Bilderbuch, sauber, hell, friedlich und es scheint sich dort nie auch nur ein Wässerchen zu trüben – zumindest nicht wirklich. Lorelai ist dort die Chefin eines Hotels, eine erfolgreiche Singlemutter und unterstützt Rory bei ihrem Traum, nach der Schule ein Studium in Harvard zu beginnen. Dafür muss sie auf eine angesehene Privatschule gehen, doch – ach du Schreck – das kostet sehr viel Geld.

Da Lorelai alleinerziehend ist, ist das Schulgeld für das erste Jahr kaum aufzubringen und so gibt es nur einen Ausweg: Sie muss sich an ihre reichen Eltern wenden, Rorys Großeltern. Klingt doch nicht so schlimm. Wer hätte nicht gerne reiche Eltern? Doch Lorelai und ihre Eltern verbindet eine unschöne Vergangenheit und der Kontakt ist mehr als frostig. Denn Lorelai wurde mit sechzehn Jahren ungewollt mit Rory schwanger, lief von Zuhause weg, versteckte sich vor ihren Eltern und baute sich in Stars Hollow ein neues Leben auf. Mutig! Jetzt ist sie aber auf das Geld ihrer Eltern angewiesen und meldet sich bei ihnen. Mutter Emily Gilmore ist mehr als erfreut, helfen zu können, aber nicht ohne Hintergedanken. Lorelai und Rory müssen fortan jeden Freitag zum Abendessen bei den Großeltern erscheinen und sie an ihrem Leben teilhaben lassen. Wie ihr euch aber vorstellen könnt, brechen die alten Wunden immer wieder auf und Konflikte sind nicht fern.

Wenn ich das so lese, klingt „Gilmore Girls“ ganz nach einem Familiendrama. Ist es vielleicht auch, aber eigentlich ist die Serie wirklich witzig. Das liegt gerade an den wunderbaren Dialogen. Angelehnt an die klassischen Screwball-Komödien des amerikanischen Kinos der 40er Jahre, gehen sie unglaublich rasant zwischen den Figuren hin und her, sind schnell gesprochen und sprühen vor intelligenten Wortwitzen. Wenn sich also Lorelai und Rory minutenlang darüber unterhalten können, warum die Peperoni und die Pilze auf der Pizza verfeindet sind, und was das eine Gemüse gegen das andere plant, ist das Balsam für die Seele. Wie schon gesagt: Einfach abschalten und treiben lassen. Fun Fact am Rande: Die Dialoge für eine einzelne Episode waren manchmal so lang, dass ein Drehbuch unglaubliche 80 Seiten umfasste. Zum Vergleich: Im Durchschnitt ist ein Drehbuch für eine Episode bei einer Serienproduktion circa halb so lang.

„Gilmore Girls“ läuft nur so über vor sympathischen Charakteren, die ich gerne alle hier einzeln aufzählen würde, aber dann säßen wir nächste Woche noch hier. Nur so viel: Luke ist der Beste, Sookie eine gute Freundin, Miss Patty kann einfach nicht die Klappe halten und Taylor weiß nie, wann Schluss ist. Und Kirk nicht vergessen! Was wäre Stars Hollow ohne Kirk?

Doch so bezaubernd die Serie auch ist, muss man sie aus heutiger Sicht auch kritisch betrachten. Beziehungsweise muss man sich klar machen, dass „Gilmore Girls“ nicht gerade die Realität abbildet. Denn typisch für eine Serie der 2000er ist sie nicht wirklich divers, allen geht es immer irgendwie gut, auch wenn manchmal kleinere und größere Probleme auftauchen. Außerdem werden nicht amerikanische Charaktere oft karikaturartig dargestellt, wie der französische Michel, die koreanische Mrs. Kim oder die spanische Mechanikerin Gypsy. Und Homosexuelle existieren in dieser Realität der Serie gar nicht, oder eben nur am Rande. Das kann man finden wie man will, solange man immer im Hinterkopf behält, dass es eine sehr fiktive, überidealisierte Welt ist, in der die Serie spielt.

Habe ich euch „Gilmore Girls“ jetzt madig gemacht? Ich hoffe nicht! Denn auch ich liebe die Serie nach wie vor und schaue sie mir immer wieder gerne an. Nicht umsonst war sie so lange Zeit erfolgreich. Lässt man alles Gesagte beiseite, ist „Gilmore Girls“ eine wunderbare Serie, die Spaß macht und die Geschichte zweier intelligenter, unabhängiger Frauen erzählt, die sich das Leben so gestalten, wie sie es wollen. Gerade Lorelai zeigt uns, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss, dem Druck anderer nicht einfach nachgeben darf und mit etwas Mut alles schaffen kann. Sogar mit eben mal sechzehn Jahren beinahe ganz alleine ein Baby großziehen.

By Sophia

Sophia ist nicht nur Serienliebhaberin, sondern rennt auch immer sofort ins Kino, wenn der Geldbeutel es zulässt. Seit ihrer Kindheit sind Filme ein wichtiger Teil ihres Lebens und das hat sich bis heute nicht geändert. In ihrer Freizeit liest sie Bibliotheken leer und versucht der beste Pokémon-Trainer zu werden.

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