All grown up: Atypical (2017)

0

Schon wieder eine Netflix-Serie? Was soll ich sagen, ich habe ein Abo. Also müsst ihr das jetzt ausbaden (muhahaha). Aber die heutige Serie ist in meinen Augen ein echtes Schmuckstück, die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte. Es geht um die 2017 erschienene Serie „Atypical“, die einen Teenager mit Autismus ins Zentrum des Geschehens stellt. Im Hinblick auf (Vorsicht – böses Wort voraus) Diversität in den Medien und Repräsentation von Disability in Filmen und Serien ist das zumindest ein Schritt in die richtige Richtung – auch wenn die Darstellungen vielleicht nicht immer sehr realistisch sind.

Sam Gardner ist 18 Jahre alt und Schüler an einer Highschool. Das Besondere an ihm: Er ist Autist. Das macht seinen Alltag nicht immer einfach und er findet sich oft vor soziale und andere Hürden gestellt. So kann er mit Stress-Situationen nicht gut umgehen, wird nervös bei grellem Licht und auch die Kommunikation mit seinen Mitschülern fällt ihm schwer. Und weil Sam immer alles wörtlich nimmt oder hintergründige Andeutungen nur selten versteht, entstehen seltsame und lustige Situationen. Doch Sam lässt sich nicht unterkriegen. Er besucht regelmäßig Therapie-Sitzungen bei seiner Therapeutin Julia und nimmt an Gruppensitzungen teil. Sein Ziel: Ein normales Leben führen und endlich eine Freundin haben.

Unterstützt wird Sam tagtäglich von seinen Eltern Ella, Doug und von seiner Schwester Casey, auch wenn die ihm ganz gerne mal eine verpasst. Denn Sams Zustand zehrt an seiner Familie. Der Autismus nimmt im Leben der Gardners einen hohen Stellenwert ein, sodass ihre eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund treten. So muss Casey bei ihren Wünschen und Entscheidungen Sam zuliebe zurückstecken und auch die Beziehung der Eltern leidet unter der immer präsenten Krankheit. Also sind Probleme vorprogrammiert, aber wie das ausgeht, müsst ihr selber sehen.

„Atypical“ lebt vor allem von seinen sympathischen und zugänglichen Charakteren. Mein erklärter Liebling der Serie ist Sams bester Freund Zahid. Er arbeitet zusammen mit Sam als Verkäufer im Elektromarkt Techtropolis und berät ihn vor allem, wenn es um die Ladies geht. Denn der Nerd Zahid präsentiert sich vor Sam als Weiberheld und versorgt seinen Freund mit allerhand Ratschlägen. Und das Beste an Zahid: Er ist nicht nur wirklich witzig, sondern auch immer für Sam da. Er hinterfragt seinen Autismus nicht, behandelt ihn ganz normal und holt ihn auch mal auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn es nötig ist.

Obwohl „Atypical“ bei den Zuschauern sehr positiv wegkam, musste die Serie auch viel Kritik einstecken. So wurde sie als zu seicht und nicht realistisch eingestuft. „Atypical“ würde eine Utopie präsentieren, die so für Autisten im wahren Leben nicht unbedingt immer möglich wäre. Darüber hinaus sei es einfach nur die typische 0815-Netflix-Teenager-Serie, aber mit einem Autisten als Hauptcharakter. Zutreffend sind diese Kritiken alle, dennoch finde ich, dass die Serie sehr liebevoll gestaltet ist und zumindest versucht auf Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen aufmerksam zu machen.

Bisher umfasst „Atypical“ drei Staffeln zu je zehn Folgen und für 2021 ist eine vierte und letzte Staffel geplant. Alle guten Dinge müssen enden, aber mir sind die Figuren langsam ans Herz gewachsen und es ist schade, sie ziehen lassen zu müssen. Natürlich sind die Kritiken an „Atypical“ berechtigt und Sams Autismus wird oft verharmlost oder nicht akkurat dargestellt. Trotzdem ist es eine Serie, die Möglichkeiten aufzeigt und Menschen mit Beeinträchtigungen als das zeigt, was sie sind: ein normaler Teil unserer Gesellschaft. Und das wird meiner Meinung nach zu oft vergessen.

Schreibe einen Kommentar